मसाला तंदूरी

Für alle, deren Hindi gerade etwas eingerostet ist: Tanduri Masala¹.

Freitags meinte Minchen zu mir, ich sollte mir doch zur Abwechslung mal nicht erst Samstag in der morgendlichen Hektik überlegen, was wir am Wochenende kochen. Ich nahm mir das durchaus zu Herzen. Deshalb habe ich auch schon am Samstag gegen Viertel nach Neun beschlossen, dass es heute wohl mal was Indisches geben sollte. Ganz ohne Hektik.

Das Ganze stellte doch ein paar Herausforderungen. Zunächst einmal war die indische Küche doch ein wenig Neuland für mich. Dann war das Rezept in ein, zwei Details doch etwas unpräzise. Zuletzt hatte ich noch nie ein Huhn in vier Teile zerlegt.

‚Nun gut‘, dachte ich mir, einmal ist immer das erste Mal, und mehr als schiefgehen konnte es nicht. Notfalls konnte man ja noch immer Brotzeit machen.

Immerhin habe ich dieses Mal das Rezept im Vorfeld komplett gelesen. Ich übersah also weder, dass das Huhn über Nacht marinieren musste, noch dass ich den Backofen rechtzeitig vorheizen musste.

Aber der Reihe nach.

Zunächst musste eine Paste aus Joghurt, Weinessig, Öl, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Koriandersamen, Kreuzkümmel, Kurkuma, Paprika und ein wenig Chilipulver hergestellt werden. Ein wenig dünnflüssig war das Ganze, aber gut. Das Rezept wies schon darauf hin, dass die Paste ab und zu wieder neu verstrichen werden müsse.

Geschmeckt hat das Ganze gestern schon sehr spannend. Recht scharf, was hauptsächlich am frischen Ingwer und Knoblauch liegen dürfte.

Heruntergerutscht ist kaum etwas über Nacht, was meine Sorgen über die Konsistenz der Marinade größtenteils zerstreut hatte.

Heute Abend wurde die Sache dann schon spannender. Ein gevierteltes Huhn, das im Kühlschrank einen interessanten Duft verströmt hatte, wanderte in den Ofen.

30 Minuten bei 200 °C.

Das kam mir von Anfang an suspekt vor. Selbst ein gevierteltes Huhn wird doch in dieser Zeit nicht gar werden. Irgendwie viel es mir schwer, mir das vorzustellen. Ich sollte recht behalten. Doch zunächst mal hatte ich ein wenig Zeit, mich über Land und Leute zu informieren:

Tanduri Masala an sich bezeichnet die Paste, mit der das Huhn mariniert wurde. Es handelt sich dabei um eines der berühmtesten Gerichte der indischen Küche. Genauer gesagt stammt es aus dem norden Indiens. Es kann dabei nicht nur für Huhn verwendet werden, sondern eignet sich für so ziemlich alles, insbesondere auch für Lamm, Fisch oder Hummer.

Zubereitet wird es traditionell in einem Ofen namens Tandur. Ein Ofen, der üblicherweise im Boden eingelassen wird und am Boden mit Holzkohle befeuert wird.

Während also die ersten 30 Minuten verstrichen, nutzte ich die Gelegenheit, um die Beilage zuzubereiten. Ein Kartoffelcurry wurde vom Rezept vorgeschlagen. Pellkartoffeln abgekocht, in Würfel geschnitten. Dann einige Senfkörner angeröstet, dann einen nennenswerten Haufen Zwiebelringe gebräunt. Gewürzt wieder mit Kurkuma, Chilli, Koriandersamen und Kreuzkümmel. Nach rund 15 Minuten weiterem Schmoren war das Ganze erledigt. Geschmacklich in Ordnung – nicht der Überflieger, aber in Ordnung. Vielleicht lag es auch daran, dass ich die Erbsen vergessen hatte. Beim Einkaufen. Eingefallen war mir das am Sonntag. Blöd halt, aber es schmeckte auch ohne Erbsen.

Nach der fraglichen halben Stunde (die eigentlich so eher 40 Minuten lang war), habe ich dann doch mal einen der Hähnchenschenkel angeschnitten. Ich traute dem Ding nämlich nicht über den Weg. Die Probe auf’s Exempel bestätigte den Verdacht. Innen war es definitiv noch roh.

Es dauerte eine gute Stunde, bis das Hühnerfleisch dann einen Zustand erreichte, der mich zufrieden stellte.

Manchmal frage ich mich, warum die Zeitangaben in den meisten Rezepten, die ich in den letzten Jahren nachgekocht habe, ab von der Realität sind. Eigentlich fast immer zu kurz. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Vorgabe mal jenseits des notwendigen gelegen wäre.

Trotz der Widrigkeiten war es aber dann doch sehr schmackhaft, vor allem das Hühnchen:

Abschließend habe ich dann doch noch einmal einen Blick in meine Bibel des Barbecue-Gurus Steve Raichlen geworfen. Einige interessante Fakten kamen hier noch zu Tage.

Zunächst einmal erreicht der Tandur (in Hindi übrigens तन्दूर, im örtlichen Panjabi aber ਤੰਦੂਰ)  locker Temperaturen jenseits der 400 °C. Diese enorme Hitze ist dabei eines der Geheimnisse dieser Gerichte. Um hier einmal die Bibel zu zitieren:

Almost anything you can grill, you  can grill as tandoori […] Just marinate it in the tandoori marinade and cook it over the hottest fire you can muster

Genau das werde ich das nächste mal wohl versuchen. Entweder auf dem Webergrill meiner Schwiegereltern oder doch wieder im Backofen, den man wenigstens noch auf gut 250° aufdrehen kann.

Dann wird dort noch empfohlen, das Wasser aus dem Joghurt zu filtern, damit die Marinade eine noch etwas festere Konsistenz bekommt. Quasi ein Insider-Tipp.

Ob es helfen wird? Eine gute Frage.

Erfahren werden Sie es vielleicht, wenn es mal wieder „Tanduri Masala“ heißt.

¹ Sollte einer der Leser dieses Blogs dem Hindi mächtig sein: Die Übersetzung stammt aus Ermangelung einer besseren Quelle von Google Translate. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass derartige Übersetzungsautomaten gelegentlich etwas, nun, nennen wir es mal „vage“ sind. Ich würde mich daher über jegliche Korrektur an meinem Übersetzungsversuch freuen.