Ein Wochenende in Sachsen

Schön war es.

Bereits am Freitag vormittag verbreiteten wir Aufbruchstimmung. Eigentlich wollten wir ja gegen zehn abfliegen, pünktlich zum Vormittagsschläfchen von Prinzeßchen. Eigentlich, denn natürlich klappte das nicht. Zwar hatten wir am Vortag schon alles gerichtet, das Pferde- und Reitzeug war in Schnäuzelchens Auto, der dann nach der Arbeit mit Fuzzy losfahren wollte, weil er leider keinen Urlaub bekommen hatte. Frau Mutter war dann – obwohl verschlafen – rechtzeitig hier, das Packen des Autos gestaltete sich aber nicht so einfach. So ein A4 hat nun mal einen etwas kleineren Kofferraum als Schnäuzelchens A6. Und schließlich mußten ja Kinderwagen und Reisebett mit, ein Bett-Rausfallschutz für Junior, eine komplette Reisetasche für die Kinder, eine für Schnäuzelchen und mich und die kleinste gehörte Frau Mutter. Na, zu guter Letzt und irgendwie war alles verstaut, erstaunlicherweise ließ sich der Kofferraum auch noch schließen  – nun hieß es nur noch Warten auf den Hufschmied, denn Granja hatte sich wieder einmal ein Eisen runter gezogen. Glücklicherweise diesmal das andere, denn beim vorherigen wäre es dann wirklich schwierig geworden, das wieder anzubringen.

Wie dem auch sei – um viertel nach elf waren wir dann schlußendlich auf der Straße. Die Fahrt ins Sachsenland dauerte sechs Stunden, davon fünf Stunden reine Fahrtzeit. Wir gönnten uns eine ausgiebige Mittagspause mit Pasta und Spielhaus in einem Rasthof. Im Spielhaus konnten sich Junior und Prinzeßchen noch einmal schön austoben, so daß wir danach zwei selig schlafende Kinder im Fond des grünen Flitzers hatten.

Nein, solche Verrücktheiten machen wir nicht allzuoft. Turniere in Sachsen, wenn man an der bayerisch-württembergischen Grenze wohnt. Aber dort lebt eine gute Freundin von mir, die wir vor Jahren einmal auf einem Turnier kennengelernt hatten. Wir haben also nicht nur ein Turnier besucht, sondern auch diese liebe Freundin nebst Familie, die wir zuletzt vor etlichen Jahren gesehen hatten.

Der Samstag war mehr als entspannt, meine Prüfung begann erst um halb fünf. Nachdem wir nach dem letzten Turnier beschlossen hatten, auf dem Abreiteplatz keine Serienwechsel mehr zu reiten – die allerersten waren immer die besten – habe ich sie am Samstag vormittag noch einmal ein wenig geritten. Außerdem auch, um die Steifheit des Sieben-Stunden-Transportes ins Sachsenland aus ihren Knochen zu bekommen. Steif war sie allerdings gar nicht, sie marschierte wirklich locker daher und es machte viel Spaß, sie zu reiten.

Nachmittags fuhren wir dann also nach Kalkreuth aufs Turnier. Ein St.Georg stand an. Der Abreiteplatz bestand aus einem recht feinen Sandboden, der aufgrund der Wärme auch schon wieder zu stauben begann, obwohl der Veranstalter sich viel Mühe gab. Fuzzy gefiel der Boden, sie ging wirklich toll. Um 17 Uhr 03 hätte ich dran sein sollen, leider gab es eine Verspätung, so daß ich erst eine Viertelstunde später ins Viereck mußte. Verspätungen sind bei Fuzzy leider fatal. Sie ging immer noch gut – aber die locker flockige Leichtigkeit vom Abreiteplatz war dahin. Ein paar Fehler haben wir eingebaut, die halben Pirouetten gelangen nicht so gut, die Schrittpirouetten waren auch nicht so besonders („ich weiß, was jetzt kommt, laß mich mal machen!“) und im starken Schritt wollte ich zu viel, so daß sie kurz anzackelte. Der erste der Viererwechsel war irgendwie seltsam – aber nur einer der drei Richter attestierte mir einen Wechselfehler – dafür gelangen die Dreierwechsel fehlerfrei. Das Endresultat: das erste Mal schaffte ich es, in einem St.Georg die ‚magische‘ 700-Punkte-Grenze zu überschreiten. Wenn auch mit 709 Punkten nur knapp. (Nur so als Vergleich: In Weilheim waren es nur 663 Punkte. Ich war so richtig zufrieden, auch wenn wir immer noch deutlich von der Platzierung entfernt waren, war dies doch bisher mein bestes Ergebnis in S. Aufwärtstrend erkennbar – was will man mehr! Schließlich habe ich noch nicht so viel Erfahrung in der schweren Klasse.

Nachdem ich hier mit Fachbegriffen um mich werfe, muß ich wohl einen kleinen Einschub machen. Im Reitsport gibt es eine Notenskala. 0 bedeutet „nicht ausgeführt“, 10 bedeutet „ausgezeichnet“. In der Realität bekommt man meist Noten zwischen 5 (was nicht so besonders ist) und 8 (bedeutet „gut“), wobei man ab einer 6,5 durchaus mit einer Platzierung rechnen kann. Platziert wird immer das beste Drittel aller Reiter, wobei Noten unter 5,0 prinzipiell nicht platzierungsfähig sind.

In den höheren Dressuren werden keine Gesamtnoten für den ganzen Ritt vergeben, sondern jede  Lektion für sich benotet. Die Noten werden addiert und so entstehen Punktsummen. Vergleichbar mit „normalen“ Noten wird das Ganze dann, wenn man die Punktsumme als Prozentzahl der theoretisch erreichbaren Punkte umrechnet. 60% entsprechen einer 6,0. Bisher bewegte ich mich in den schweren Prüfungen in aller Regel im Bereich knapp unterhalb von 60 Prozent. (Fuzzy ist das erste Pferd, mit dem ich überhaupt so weit gekommen bin)

Sonntag um eins dann die Intermédiarie I. Ganz schön verrückt, so was Schweres zu nennen – noch schwerer als der St.Georg. Aber auf der anderen Seite sagte ich mir, dass es doch witzlos sei, die weite Strecke nur für eine einzige Prüfung zu fahren. Und obendrein brauchen wir gerade nur eines: Routine, Routine, Routine. Also wurde genannt – und geritten.

Was soll ich sagen. Im Vorfeld hatte ich ein wenig gerechnet. 684 Punkte entsprechen 60 Prozent. Das wäre mein Ziel gewesen.

Fuzzy ging klasse – der einzige dicke Hund waren vollkommen versaute Zweierwechsel, die aber auf mein Konto gingen, irgendwie kam ich nicht so rein. Das Ganze ergab dann 718 Punkte! Somit mit 62,9% ein noch besseres Ergebnis als im St.Georg. Sagte ich schon: Aufwärtstrend erkennbar?

Nach dem Ritt versorgten wir Fuzzy – und dann machte sich Schnäuzelchen gleich auf den Rückweg. Mit Hänger kann man ja nicht so schnell fahren wie ohne und er wollte zu einer brauchbaren Zeit daheim sein. Frau Mutter, die Kinder und ich ließen uns ein wenig mehr Zeit und fuhren nach ausgiebigem Ratsch mit der Familie der lieben Freundin und einer schönen Portion Eis dann eine Stunde später los. Die Autobahn um Dresden herum wollten wir vermeiden. Das ist ja alles gut und schön – nur leider sollte man seinem Navi das auch erklären. Natürlich führte und „Hannes“ – so habe ich das Gerät getauft, weil es platt spricht – dann über die seiner Meinung nach schnellste Route: Die Autobahn. Kaum waren wir drauf, standen wir auch schon. Stau um Dresden.

Die nächste Ausfahrt war glücklicherweise nicht weit und nach ein paar vergeblichen Versuchen hatten wir dann auch Hannes klar gemacht, dass wir nicht wieder auf die Autobahn wollten, sondern über Land Richtung Nossen. Das funktionierte schließlich recht gut, aber bis Nossen hatten wir dann schon die erste Dreiviertelstunde verloren. Was für ein Glück, dass im Sachsenland soooo viele Windräder stehen – Junior hatte immer jede Menge zu gucken!

In Nossen die nächste Orgelei. An der Autobahnauffahrt wurde gebaut, „unsere“ Auffahrt war gesperrt. Also schickte Hannes uns eine Auffahrt weiter nach „rechts“, um dann über die nächste Auffahrt umzudrehen. Wieder Zeit kaputt gemacht, aber diesmal nicht so viel.

Das Schlimmste kam dann um Nürnberg herum. Schnäuzelchen rief irgendwann bei uns an, weil er von der Autobahn herunter gefahren war, und nun auf der Umleitung fest steckte, auf der auch fast nichts mehr ging. Um Nürnberg herum war auch jede Menge Stau, aber bis wir dann endlich dort waren, hatte sich der größte Teil aufgelöst. Erst ab Schwabach staute es wieder. Wir bekamen per Telefon Instruktionen, wie wir am besten fahren sollten und richteten uns danach. Ein kleines bißchen Stau, dann runter, um über die Landstraßen weiter zu fahren – denn im weiteren Verlauf der Autobahnen nach Hause gab es auch nur eines: Stau, Stau, Stau.

Plötzlich meckerte Hannes. „Dreih mol ümme, wenn geiht!“. Pft, was weiß denn der. Wir müssen hier lang, der will nur wieder, dass wir auf die Autobahn fahren.

Hannes insistierte. Wir blieben stur. Hannes auch.

Irgendwann dämmerte mir dann, dass Hannes wohl Recht hatte. Auf der Raststätte,  an der wir zu Abend aßen, hatte ich einen Blick in einen Atlas geworfen. Und nun kam es mir, daß wir eigentlich von Feucht hätten wegfahren sollen – nicht darauf zu.

Habe ich schon einmal erwähnt, daß wir gerne umdrehen üben? Jedenfalls war hier die nächste knappe Stunde verloren. So wurde es halb zwölf, bis wir daheim waren – anstatt der geplanten Ankunftszeit zwischen neun und zehn Uhr abends.

Ein schönes Wochenende wars auf jeden Fall! Aber das nächste Mal nehmen wir zusätzlich zu Hannes noch einen Atlas mit.

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2 Kommentare zu “Ein Wochenende in Sachsen

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