Im Parcours

Nachdem ich gestern den ganzen Abend überlegt hatte, ob ich nun einflechten sollte oder nicht, habe ich mich dann doch fürs Einflechten entschieden. Und dabei ziemlich geflucht, denn Lubiankens Mähne ist einfach viel zu dick, um sie in schöne Zöpfchen zu verwandeln. Verziehen läßt sie sich leider nicht, da bekommt sie hysterische Anfälle. Die Zöpfchen genügten meinen Ansprüchen an ’schön‘ nicht so richtig, aber es waren immerhin Zöpfchen.

Um halb Acht in der Früh ging es dann ans Verladen. Lubi war vom Einflechten schon ziemlich nervös. „Irgendwas ist heute anders!“, schien sie zu sagen. Der Hänger steht anders als sonst. Nein, da geh ich nicht rein. Mutter winkte mit dem Besen. Nein-da-geh-ich-nicht-rein. Also den Hafereimer vor die Nase gehalten. Ich will aber nicht. Breit gestellt. Nix da, ich geh in das Ding nicht rein.

Wirklich prima. Zwei Tage zuvor, als wir noch mal zum Springen wo anders hin fuhren, marschierte sie rein wie eine Eins. Frau Mutter und ich waren schon leicht angenervt. Aber was soll es. Dann nehmen wir halt Fuzzy mit aufs Turnier. Fuzzy in den Hänger geführt, Lubianken vollkommen problemlos hinterher. Alles klar, danke fürs Gespräch.

Eine gemütliche Stunde Hängerfahrt später kamen wir auf dem Turnierplatz an, der super einfach zu finden war. Eine tolle Anlage – großer Sandspringplatz, 60er Halle und eine nicht exakt Norm-Maß habende Halle zum Abreiten. Der Kuchen war lecker, die Teeauswahl brauchbar, die Pommes und das Fleisch wohl nicht so prickelnd, aber das nur vom Hörensagen, wir selber haben davon nichts gegessen.

Parcours abgegangen, sah eigentlich alles recht freundlich aus. Lange Wege, aber durchaus mit der Möglichkeit, abzukürzen. Ich entschied mich nur an einer Stelle für den kürzeren Weg, denn dort kam ich dennoch gerade auf die Kombination zu. Bei den anderen Möglichkeiten war mir das zu hakelig – schließlich sind sowohl Lubianken als auch ich gräßlich unerfahren. Lieber auf Nummer sicher, dafür Pferd nicht verprellt. Allerdings dachte ich mir an ein, zwei längeren Galoppstrecken, dass ich da vielleicht ein wenig Gas geben könnte – zurück bekommt man die ja recht gut. Soweit also der Plan.

Dann haben wir – reichlich früh – gesattelt und ich bin aufgesessen. Beim Richten war Lubi super brav und auch die ersten Meter vom Hänger weg waren problemlos. Dann aber… Nix – da geh ich nicht vorbei. Was es auch immer war, der grüne Zaun, die weiße Wand der Abreitehalle – Lubi ging nur noch rückwärts. Tja, Pech gehabt, Madame, das Theater kenn ich schon von Deiner Mama. Wir können auch rückwärts an der gräßlich gefährlichen Stelle vorbei reiten, wenn du schon rückwärts gehen willst.

Nach einer Weile wurde ihr das dann zu blöd und wir konnten umdrehen und halbwegs manierlich weiter reiten

In der Abreitehalle gab sie dann auch erst mal ein paar Runden die nervöse Giraffe, aber es legte sich diesmal sehr schnell, Trab- und Galopparbeit war prima, die ersten Steilsprünge auch. Beim ersten Oxer wurde erst mal geparkt, dann aber alles problemlos weiter.

Zeitig genug ging es dann in Richtung Turnierplatz. Und nun begann mich unser Angsthase zu erstaunen. Erst war sie richtig zappelig – dann konnte sie plötzlich gelassene Kringel vor dem Platz drehen und schließlich sogar recht friedlich hinstehen. Rein in den Parcours ging es durch so eine Art Bogen – ohne zu Zucken marschierte sie durch.

Sofort angetrabt, ein wenig Gegucke und Schieflaufen gabs vor diversen Werbeplakaten an der Bande. Ich suchte derweil die Richter – und fand sie nicht. Hielt bei den Zuschauern an und fragte nach. „Die sitzen da oben“, gabs zur Antwort – und richtig. Oben in der Reithalle im Stüberl. Da muß man erst mal drauf kommen, immerhin trennte Springplatz und Reithalle ein gut fünf Meter langer Gang, auf dem die Zuschauer und die Bewirtung saßen.

Dann also. Grüßen, dritter Gang rein und los. Lubi klappte die Ohren nach vorne und bekam den Tunnelblick. Nichts, was außen rum war, interessierte noch, nur die Sprünge. Das geplante Zulegen zwischen den Sprüngen vergaß ich souverän – aber dafür gabs einen fehlerfreien Ritt, der uns beiden riesigen Spaß gemacht hat. Meine Nervosität war mit dem ersten Galoppsprung verflogen, weil mir Lubi nur noch „Ich will da rüber“ signalisierte. Fantastisches Gefühl.

Das Ende vom Lied: Fünf Sekunden fehlten zwischen uns und der Platzierung !!!

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