Liebe Günzburger Zeitung…

Liebe Günzburger Zeitung,

als langjähriger Leser Ihres Blattes fand ich es jetzt doch einmal an der Zeit, mich auch zu Wort zu melden. Insbesondere in Ihrer Rubrik „Internet & Multimedia“ lässt der journalistische Anspruch doch immer wieder zu wünschen übrig. So auch am 4. Oktober diesen Jahres.

Ich gebe ja durchaus zu, dass derartige Themen einen gewissen Aufwand bedeuten. Gerade aber von einer Zeitung, die in einem nennenswerten Teil ihres Verbreitungsgebiets keinerlei erwähnenswerte Konkurrenz besitzt, würde ich mir doch ein wenig mehr erwarten.

Während ihr Artikel über e-Reader durchaus nicht als „falsch“ einzustufen ist, bleiben doch einige Punkte unerwähnt, die für eine angehende digitalisierte Leseratte von nicht geringer Bedeutung sein dürften. Vermutlich ist das „Fachmagazin SFT“ (Spielfilmtechnik) sich dieser Dinge nicht bewusst gewesen oder der Autor des Berichts hielt sie schlicht nicht für relevant.

Lassen Sie uns doch mit der Modellauswahl im Artikel beginnen, dem wohl größten Schwachpunkt des Artikels:

Der Weltbild Reader, obgleich der wohl günstigste Reader, den man derzeit auf dem Markt findet, dürfte eigentlich keiner Kaufempfehlung wert sein. Der Preis macht eben nicht alles: Der Reader verwendet die veraltete eInk Vizplex Technik, die im Vergleich zu den aktuellen Displays einen erheblich geringeren Kontrast aufzuweisen haben. Im Sonnenlicht ist dies noch nicht problematisch, im Kunstlicht allerdings macht es keinen Spaß. Die fehlende WLAN Verbindung mach den Einkauf von Büchern zur Tortur, man ist auf die Übertragung auf Adobe Digital Editions (dazu später mehr) angewiesen. Mit rund 220 Gramm ist der Reader auch vergleichsweise schwer.

Kein Vergleich mit dem einfachen Reader von Amazon, dem Kindle (ohne Touch, Paperwhite oder andere Ergänzungen). Zusammen mit der beinahe perfekten Einbindung des Amazon Shops ist dies der Reader der Wahl für den Einsteiger. Denn nur Amazon hat es bisher geschafft, die Benutzung des digitalen Lesegeräts so einfach umzusetzen.

Sonys PRS-T2 ist sicherlich auch kein schlechtes Gerät – nur war es bereits veraltet, als es auf der Bildfläche erschien. Verglichen mit der zeitgleich erschienenen Konkurrenz jedoch verliert er deutlich. Amazon und Kobo verbauen bessere Displays, die gleichzeitig eine integrierte Beleuchtung besizten. Für den gleichen Preis. Sony betrieb mit dem T2 lediglich einfache Modellpflege und hat damit effektiv den Anschluß an den Markt verloren.

Womit wir auch gleich auf die beiden derzeit wohl besten Reader kommen. Da ist auf der einen Seite Amazons Kindle Paperwhite, auf der andederen Seite den Kobo Glo. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick: Die Displays der beiden Geräte haben eine spürbar höhere Auflösung als die Konkurrenz. Wer am Beispiel eines iPad 3 den Unterschied einmal gesehen hat, wird dies nicht mehr missen wollen. Das Lesen ist noch angenehmer und entspannter, da die Schrift gestochen scharf abgebildet wird. Bei beiden Geräten kommt eine integrierte Beleuchtung hinzu, wodurch auch schlechte Lichtverhältnisse kein Problem mehr darstellen. Beide Reader sind ebenfalls für 130 bis 140 € erhältlich und stechen damit den Sony aus.

Das 160 € teure Pocketbook Touch ist – wie der PRS-T2 – ebenfalls ein solides Gerät, der Preis ist allerdings nicht gerechtfertigt, berücksichtigt man den Funktionsumfang der neuen Alternativen.

Kommen wir zum Schluß nun aber zur eigentlichen Gretchenfrage bei der Entscheidung für einen eReader, denn im Grunde muss man sich hier zwischen zwei Lagern entscheiden. Dank drakonischem digitalem „Rechtemanagement“ sind die technisch hervorragenden Reader von Amazon nicht mit dem Rest der Welt kompatibel. Nachdem die Verlagswelt scheinbar darauf besteht, die Fehler der Musikindustrie zu wiederholen, muss man sich hier also  für ein Übel entscheiden.

Die eine Seite – Amazon – verwendet ein eigenes (also proprietäres) System zum Schutz vor unerlaubter Verfielfältigung. Man verheiratet sich hier mit einem Hersteller (das sind wir ja von Apple oder Google schon gewöhnt…) und bekommt dafür alles aus einer Hand. Das Ergebnis ist ein System, das gut zusammenspielt. Dies ist vor allem für technisch unbedarfte Personen von immenser Bedeutung. Das wird jeder zu schätzen wissen, der seine Eltern über ein Telefon durch diverse Computerprobleme navigieren musste. Zusammen mit dem gut integrierten Shop garantiert dies ein einfaches Einkaufserlebnis ohne größere Nebenwirkungen.

Die andere Seite – also der Rest der Welt – setzt heute auf ePub Bücher, die durch Adobe Adept geschützt werden. Grundsätzlich sind so geschützte Bücher auf jedem Adept-Reader zu lesen. Was zunächst gut klingt bedeutet aber in aller Regel eine gewisse Bastelei, denn die zu Adept gehörige Software „Adobe Digital Editions“ ist nicht gerade der König der Benutzerfreundlichkeit. Probleme sind hier immer wieder anzutreffen. Die Vielfalt der Geräte ist dabei auch ein Problem, denn die Qualität Integration der verschiedenen Online Shops variiert sehr stark.

Sicherlich könnte man noch einiges mehr über diese Thema verlieren, jedoch würden Sie dann wohl eine zweite Seite für diese Rubrik benötigen. Nichts desto trotz sollte man aber eine gewisse Recherche erwarten können – insbesondere wenn man bedenkt, dass in den letzten Wochen vor Erscheinen des Artikels eine ganze Reihe von neuen Geräten vorgestellt wurden.

In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Tag,

Ihr Schnäuzelchen

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