Handarbeitsbüddel

Ich habe noch nie einen Artikel gut vierzehn Tage vordatiert. Dann wiederum habe ich auch noch nie bei einem Taschen-Sew-Along mitgemacht. Sozusagen also zwei neue Dinge auf einmal. Fehlt nur noch die Schokolade.

Irgendwann im November besuchte uns die Familie meiner besten Freundin und diese nutzte die Gelegenheit, ihren Strickbeutel – eine von diesen schlichten weißen Stofftaschen aus dem Einkaufsmarkt ohne jeglichen Aufdruck – bei uns zu vergessen. Irgendwer hatte sie nämlich auf einen Korb gelegt, irgendwer hatte was draufgelegt und da das Ding so wunderbar unscheinbar ist, war es auch schon den Blicken entschwunden.

In der nächsten Woche kam dann auch der unvermeidliche Anruf, ob sie denn ihren Strickbüddel bei uns vergessen hatte. Da hatte ich ihn noch nicht gefunden, das dauerte auch noch ein paar Tage. Ich versprach, ihn zu schicken – und vergaß es. Irgendwann vor Weihnachten brachte die beste Freundin sich und den Büddel wieder per Telefon in Erinnerung, aber da hatte ich dank Frau Mutter schon eine Idee gehabt, also sprach ich von „ich schick das Ding“, hatte aber durchaus vor, dies noch zu verschieben.

Denn Frau Mutter hatte eine Anleitung im Netz entdeckt, wie man einen Handarbeitsbeutel nähen könne. Eine Videoanleitung aus den USA, sie hatte sich sofort mit Material eingedeckt und losgelegt.

So ganz schlecht fand ich den nicht, ich hatte schon einen (anderer Machart), den ich mal gekauft hatte, was lag also näher, den 08/15 – Stoffbeutel meiner Freundin durch so ein Ding zu ersetzen? Quasi als Weihnachtsgeschenk? p1080428

Frau Mutter war so lieb, mir die Reste ihres Materials zur Verfügung zu stellen – nur dummerweise gab’s dann vor Weihnachten ein paar gesundheitliche Verzögerungen, sodass der Büddel nicht einmal angefangen wurde. Genäht wurde er dann im Januar, aber ich mußte bis heute, in den Februar, warten, bis ich ihn bei greenfietsens Taschen-Sew-Along 2017 vorstellen darf. Schwierig, die Warterei. Aber wahrscheinlich nur fair bei derjenigen, die ich meiner Freundin zumutete.

Die Videoanleitung hat ihre Tücken. Mir fehlen Detailblicke auf die Nähte und irgendwie wirkt das Ganze etwas konfus. Die Vorstellerin hat sicher alles gut vorbereitet, aber dennoch kommt es für mich etwas durcheinander rüber, wie sie da ihre vorbereiteten Stoffstücke hinter dem Tisch hervorzaubert. Aber man versteht, was sie erklären will, spätestens nach dem zweiten Mal Ansehen.

Hilfreich ist ein Lineal, das weiß, was Inch sind. Ich hatte keines, rechnete mir alles um und schnitt dann mit aufgerundetem Maß zu. Wenn man darauf achtet, dass die Schnittteile, die aneinander sollen, die passende Größe haben, geht das auch. Allerdings bildete ich mir ein, ich wolle außen um die Tasche noch ein rundherum gehendes Stoffteil haben, das Taschen für Häkelnadeln, Scheren und ähnliches Zeug haben sollte. So, wie es meiner hat. Das Stück ist im Original nicht vorgesehen, ich nahm am Umfang des Büddels Maß und schnitt mir daraufhin ein Stück Stoff zu, das ich doppelt legte und mit der offenen Kante am unteren Rand rechts auf rechts annähte, um es dann nach oben umzuklappen. Hier gab es dann schon ein paar Falten. Ich versuchte, aufzutrennen, aber das verwendete Material für Stand und Stabilität schien nicht dafür geeignet, da hätte ich mehr kaputt gemacht. Mag aber auch sein, es lag an mir und meinem zu der Zeit mal wieder reichlich erkältetem Kopfe.

Also gab es nur drei schmale Taschen für Häkelnadeln und vier größere Taschen für allen möglichen Krimskrams. p1080430

Die Henkel nähte ich deutlich länger, als in der Anleitung angegeben, denn ich hatte die  von Frau Mutters‘ Büddel als zu kurz empfunden. Auch die Kordel zum Zuziehen zog ich anders ein – nicht nur eine, die man dann mittels Schleife zubinden muss, sondern zwei gegengleich eingezogene, an den Enden verknotete. Jetzt kann man das obere Ende wie bei einem Turnbeutel öffnen. p1080427

Im Videotutorial wird auch erklärt, wie man das Cover so annäht, dass man damit auch die vorherigen Nähte kaschieren kann, damit von diesen beim Waschen nichts ausfransen kann. Das habe ich gemacht, allerdings nicht daran gedacht, dass ich schlauerweise das Cover hätte gegen Ausfransen versäubern sollen – jetzt franst halt das aus, wenn meine Freundin es wäscht. Allerdings – wann wäscht man schon einen Handarbeitsbeutel. Doch eher selten. p1080425

p1080426Insgesamt bin ich zufrieden mit meinem ersten Werk in diese Richtung, auch wenn es noch ein paar Macken hat. Aber Taschen zu nähen war ja nun bisher so gar nicht meines. Und aller Anfang ist bekanntlich schwer.

Und nun auf zu greenfietsen zum Februar-Thema des Taschen-Sew-Alongs 2017!

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13 Kommentare zu “Handarbeitsbüddel

  1. Das ist ja ein praktischer Handarbeitsbüddel, da hat sich das Warten deiner Freundin doch gelohnt! Ich hätte jetzt auf jeden Fall auch Lust mir so ein Täschlein zu nähen, darin kann man sicher super aktuelle Strick-/Häkelprojekte aufbewahren und bei Bedarf überall mit hin nehmen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Uli

  2. Dei Handarbeitsbüddel ist ganz wundervoll. Die kleinen Fehler sieht man nur selbst, andere merken davon meist nichts.

    Gruß

    Peggy

  3. So einen habe ich auch mal für eine Freundin genäht und sie benutzt ihn noch heute! Vielleicht sollte ich einen für meine Mama zum Geburtstag ins Auge fassen?

  4. Da hat sich das Warten deiner Freundin doch wirklich gelohnt. Den lässt sie sicher. Irgendsoein liegen. Wunderschön und so gut durchdacht mit all den kleinen Änderungen.
    Ich werde mir jetzt noch ein wenig durchs www stöbern. Bin hellwach und kann nicht mehr einschlafen. Da kann ich die Zeit auch so verbringen, und mich nicht nur von einer Seite auf die andere drehen. Warum ich wach bin?
    „Maaaamaaaaa“ rief Das Käferchen eben laut und mehrfach über das Babyphone. Und was war, als ich dann in ihr Zimmer kam? Die junge Dame verkündete, dass sie gar nicht müde sei und deshalb auch nicht schlafen könne. Dabei lag sie eingekuschelt in ihrem Bett und SCHLIEF! Sehr witzig! Jetzt spricht die auch noch im Schlaf. Blöd nur, dass sie mit ihrem Rufen Das Igelchen geweckt hat, die jetzt WIRKLICH nicht mehr schlafen konnte. Daher durfte ich gerade zusammen mit dem Kleinchen Küche spielen. Tja und nun kann ICH nicht mehr schlafen 😔 Naja, dann lese ich eben ein wenig.
    Gruß Frau Käferin

  5. Ich liebe Taschen, Täschchen, Beutel, Utensilos,… mit vielen Fächern! Toll gemacht! War bestimmt eine schöne Überraschung für die Freundin und eine gute Entschädigung fürs Warten.
    LG Judy

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