Willkommen, Fohlchen!

Mit der Zeit und dem vielen Pech, das an uns als Züchtern zu kleben schien, wird man ja paranoid. Außer unserem engsten Umfeld und der Besitzerin des Hengstes hat dieses Mal niemand erfahren, dass wir eine tragende Stute hatten.

Noch vor dem magischen Tag der mindestens erforderlichen Tragezeit von 320 Tagen war Milch im Euter, also konnte ich mit dem Messen des pH-Wertes derselben beginnen. Solange er schön oben bei 8 oder knapp darunter war, wurde beruhigt geschlafen. Als es auf die 7 zu ging, teilten Frau Mutter und ich uns die Überwachung per Kamera auf. Zu jeder ungeraden Stunde warf sie einen Blick auf den Bildschirm, zu jeder geraden ich. Zwei Nächte ging das so.

Dann fiel der Milch-pH auf 6,8 und am nächsten Abend auf 6,2.. Zusätzlich fiel auch die Temperatur der werdenden Mama um ein knappes Grad. Beides deutlich hinweisende Anzeichen, wenn auch nicht hundertprozentig.

Also Dauerüberwachung. Frau Mutter bezog unsere Wohnzimmercouch, einer schlief, der andere wachte mit Blick auf die Kamera. In der zweiten solchen Nacht war es dann so weit. Zehn vor drei nachts ging das Fruchtwasser ab, ich zog mich an und ging raus. Als Frau Mutter dann ungefähr um zehn nach drei auch angezogen im Stall ankam, war Fohlchen nach einer Geburt wie aus dem Lehrbuch schon da.

Und heute, am zweiten Lebenstag, gab es den ersten Ausflug auf die Koppel. Die Mama unglaublich umsichtig und brav, wirklich beeindruckend. Kann diese Stute doch auch manchmal leicht rüpelig sein. Fohlchen marschierte im Fohlengriff brav mit – nun ja, ich schob mehr als sonst was und kam etwas außer Atem. Aber immerhin ging sie nicht hinten und vorne hoch – hat man auch schon erlebt…

Die neugierigen Zaungäste waren natürlich auch mit von der Partie und mehr als unzufrieden, dass sie sich mit gucken von der anderen Seite des Platzes begnügen mußten…