Die Welt der Windjammer

Jetzt stehe ich hier an Bord der Passat, einer Viermastbark. Obwohl sie nicht mehr segelt, erzählt jede Planke, jedes Tau und jede Rahe von all den Abenteuern, die dieses Schiff auf den Weltmeeren erlebt haben muss.

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Das Notruder auf dem Achterdeck.

Sie ist nicht einfach nur ein Segelschiff wie viele andere. Sie war einer der legendären Flying P-Liner der Reederei F. Laeisz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren diese Schiffe noch immer in der Lage, der sich immer weiter verbreitenden Dampfschiffahrt Paroli zu bieten. Die besten Besatzungen, die man sich vorstellen konnte, segelten diese robusten Schiffe. Sie waren so gut, dass es annähernd als Linienbetrieb galt.

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Die Passat in Travemünde.

Dieser Windjammer hat seine großen Reisen allerdings längst hinter sich. Die Passat hat ihre Aufgabe als Museumsschiff in Travemünde gefunden. Dort zeugt sie noch heute von dieser beeindruckenden Zeit.

Ihren Charme spielt sie dabei erst auf, wenn man sich einmal an Deck befindet. Erst dort wird einem klar, wie groß das Schiff dann doch ist. 115 Meter lang, 14 breit, gebaut 1911 in den Werften von Blohm und Voss. Das Gros des Schiffs ist dabei noch orignal restauriert, also kein Nachbau. Bis 1957 umrundete sie 57 Mal das Kap Hoorn.

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Ebenfalls ein Traditionsname: Blohm & Voss.

Lange höre ich dem ehrenamtlichen Kollegen zu, der mir viel über das Schiff und seine Geschichte erzählte. Einiges wusste ich bereits. Beispielsweise, dass die P-Liner schnell waren. Wirklich schnell. Schon die Passat lief bei gutem Wind circa 18 Knoten (ca. 33 km/h). Die Preussen, ein Fünfmast-Vollschiff und ebenfalls ein Flying P-Liner erreichte sogar 20 bis 21 Knoten (39 km/h). Auch, dass sie nach dem neusten Stand der Technik gebaut wurden. Robust genug, um auch die Stürme von Kap Hoorn abzureiten. Und das in Rekordzeit.

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Ein Modell des Flying P-Liners Preussen, ein Fünfmast-Vollschiff und noch bis ins 21. Jahrhundert(!) der größte Segler, der je gebaut wurde.

Richtig kribbelt es im Bauch aber erst, als ich unter Deck ankomme. In der vorderen Hälfte des Schiffes ist der Frachtraum erhalten geblieben. Erst dort begreife ich, was 8 Meter Schiffsrumpfhöhe wirklich bedeuten. Noch unvorstellbarerer wird mir in diesem Augenblick die Tatsache, dass dieses Schiff in Rekordzeit über die Weltmeere segeln konnte. Segeln. Ohne Hilfsantriebe. Nur mit Windkraft.

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Der Frachtraum der Passat.

Lange stehe ich vor den verschiedenen Reiseberichten, teilweise in Form eines kurzen Filmes, teilweise in Form von großen Wandtafeln mit alten Fotos. Auch heute, einen Tag später verschwinden die Bilder nicht aus meinen Gedanken. Ebenso wie viele kleine Details. Beispielsweise der 34 Tonnen schwere Anker (inklusive Kette). Oder die in liebevollen Details nachgestellten Szenen.

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Die Kombüse

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Der Funkraum

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Das Lichten des Ankers war Handarbeit…

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Das Getriebe, über das der Anker gehoben wurde – eines der vielen Originalbauteile!

Ein Teil von mir findet es unglaublich schade, dass diese Schiffe weitestgehend von den Meeren verschwunden sind. Nachvollziebar und völlig schlüssig, aber nichts desto trotz schade.

Nur noch vier Flying P-Liner sind erhalten, nur noch einer davon fährt tatsächlich zur See. Die Padua segelt noch heute als Segelschulschiff unter russischer Flagge. Sie war eine Reparationszahlung und führt heute den Namen Kruzenshtern.

Was mir bleibt ist die Faszination eines in der heutigen Welt beinahe unglaublichen Schiffes, einer Meisterleistung der deutschen Ingenieurskunst. Dieses Gefühl wird mich – und noch viel mehr den kleinen Jungen in mir – noch lange begleiten.

Vielen Dank an die Stadt Lübeck, die diesen Teil der deutschen Geschichte erhalten hat.

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In 80 Tagen um die Welt

So wie wir heute von Liverpool nach New York spazieren, wird man von der Erde zum Mond spazieren. Durchquerung des Ozeans, Durchquerung des Weltenraumes – wo liegt da der grundsätzliche Unterschied?

Jules Verne, französischer Schriftsteller, 1828-1905

Es ist schon einige Zeit her, dass ich zuletzt ein Buch von Jules Verne in den Händen hielt. Die „20.000 Meilen unter dem Meer“ waren es, die mich auch mit Anfang 30 noch immer faszinierten. Nicht selten fiel es mir schwer, zu glauben, dass er diesen Text 1869-1870 verfasst hatte.

Zu „Die Reise um die Erde in 80 Tagen“ muss ich gestehen, dass mir die Romanvorlage bisher fern geblieben ist. Das werde ich dieses Jahr wohl korrigieren müssen. Bis dahin werde ich in Gedanken wohl in der wirklich guten Verfilmumg mit Pierce Brosnan und Sir Peter Ustinov bleiben, die mir immer wieder viel Spaß bereitet. Auch diese Geschichte aus dem Jahre 1873 übt auf mich eine beinahe endlose Faszination aus.

Aber ich schweife ab (ist das etwas Neues?), denn in diesem Artikel soll es nicht um den altehrwürdigen Jules Verne gehen. Eigentlich soll es hier um unseren jüngsten Besuch im Tierpark Hellabrunn in München gehen.

Aha?

Das werden Sie sich vermutlich jetzt auch fragen.

Eigentlich ist es ganz einfach (das sind die Berühmten Letzten Worte eines Informatikers): Die Vielfalt eines Tierparks erinnert mich nicht selten an eben diese abenteuerlichen Geschichten, beinahe 150 Jahre alt und doch zeitlos.

Es gibt wohl kaum einen anderen Ort auf der Welt, an dem man mit wenigen Schritten den Übergang von den Polarregionen in den Dschungel auf die Pflastersteine legt. Ja, und das haben wir dieses Wochenende getan.

Begeben Sie sich also einmal mit mir auf die Reise in eine wunderbare Welt, die wir nur noch viel zu selten wahrnehmen können. Lange habe ich überlegt, welche der 160 Bilder (nach massivem Aussortieren) der mehr als 40 Tiere ich hier abbilde. Das Ergebnis ist eine Tour um die Welt. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die Wunder unserer Erde:

P1090380Lassen Sie uns den Reigen mit einem Kormoran-Pärchen eröffnen, der uns gleich zu Anfang in Beschlag genommen hatte. Bis auf Südamerika beinahe überall zu finden, kann ich ihn getrost auch vor unserer Haustüre einsortieren.

Recht unspektakulär saßen die beiden kaum zwei Meter vom Pfad entfernt. Es war das erste Mal, dass wir uns die Frage stellten, was die beiden wohl über die ganzen „Touries“ dachten… Ein Gedanke, der sich an diesem Tag des Öfteren wiederholen wird.

Wir bleiben auf unserer Reise zunächst einmal in den nördlicheren Gefilden, denn auch unsere Natur hier hat so einiges zu bieten.

P1090818Da wäre als nächstes der Europäische Wolf. Genaugenommen eigentlich der „Eurasische Wolf“. Dieser ist mitnichten nur in Europa zu finden, sondern auch in weiten Teilen Asiens bis hin zur Arabischen Halbinsel zu Hause.

P1090627Die Europäische Sumpfschildkröte hingegen beschränkt sich eher auf die Europäischen Gefilde, von der Nord- und Ostsee über Moskau bis zum gesamten Mittelmeerraum. Gerade einmal handgroß. Prinzesschen brauchte etwas Hilfe, die gut getarnten Kollegen zu erkennen.

Von hier aus benötigen wir zum ersten Mal eine Fluggelegenheit, denn jetzt nehmen wir Kurs auf die nördlichen Polarregionen. Eher durch Zufall trafen wir dabei auf eine Graugans. Die Kollegin konnte mir an dieser Stelle glaubhaft versichern, dass ihr Fluggebiet sich nicht weiter als bis zur Ostsee erstreckt. Daher mussten wir dann doch auf eher menschliche Fortbewegungsmittel zurückgreifen.

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Damit kommen wir wohl zum Höhepunkt unserer Reise, denn das Eisbärenmädchen Quintana, gerade einmal viereinhalb Monate alt zog uns in ihren Bann. Eine Art, die wir vermutlich in einigen Jahrzehnten nur noch in den Zoos dieser Welt zu sehen bekommen. Schon jetzt gilt die Art mit rund 20.000 bis 25.000 Tieren weltweit als gefährdet. Setzt sich der Rückggang des artkischen Meereises weiter fort, werden allein in den nächsten 30 Jahren mehr als 2/3 davon verloren gehen.

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Der Eisbärenmama war derweil auch nicht langweilig (bitte entschuldigen Sie die schlechte Bildqualität, die Scheibe war leider nicht zu umgehen):

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Ob der Eisbär oder der Ball gewann, das vermag ich ihnen leider nicht mitzuteilen, der Kampf dauerte bei unserer Weiterreise noch an. Meine Wetten lagen allerdings definitiv auf dem Eisbär…

Von dort aus führt uns unser Weg in Richtung Südosten wieder in wärmere Gefilde. In den Wüstenregionen des Orients sind sie ein gewohnter Anblick, die Trampeltiere. Der Bestand dieser Tiere an sich ist nicht gefährdet, allerdings nur im domestizierten Bestand des Menschen. Freilebend finden sich (Stand 2003) kaum noch 1.000 Tiere. Die hiesigen Tiere kämpften dabei nicht etwa mit Motten sondern mit dem Wechsel zum Sommerfell:

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… was ihrer Geselligkeit aber keinen Abbruch tat …

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Der weitere Weg nach Osten führt uns schließlich zum indischen Subkontinent. Dieser ist überraschenderweise die Heimat sowohl des Indischen Panzernashorns als auch die des ebenfalls Indischen Weißschwanz-Stachelschweins. Die zuletzt genannten Gesellen sind recht geruhsame Kollegen, die sich von der Türkei bis hin zur Volksrepublik China ausgebreitet haben.

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Die Panzernashörner hingegen sind nur in Indien zu finden und gelten – wie so viele Tiere in diesem Artikel – als gefährdet. Circa 3.000 Tiere leben noch in freier Wildbahn. Die gute Nachricht: Tendenz steigend.

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Der Bulle im folgenden Bild – Lebendgewicht über zwei Tonnen! – hat sich übrigens ganz freiwillig seines Horns entledigt, so war zu lesen. Er scheuert es sich bei jeder Gelegenheit selbst ab. Ein Verhalten, was auch in freier Wildbahn nicht ungewöhnlich ist.

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P1090633Auf dem Weg zur Pazifikküste erreichen wir jetzt die majestätischen Gipfel des Himalayas. Unter anderem in Tibet ist dort der Kleine Panda zu finden. Eine Steilvorlage für jeden Teddybär scheint er aus seiner Heimat eine gute Resistenz gegen die Höhenangst mitzubringen. Bequem scheint es in jeden Fall gewesen zu sein, unser heimischer Kater hätte keinen größeren Wohlfühlfaktor ausstrahlen können.

Kaum überraschend ist auch der Kleine Panda (seit 2008) auf der Roten Liste der gefährdeten Arten  geführt. Weniger als 10.000 Exemplare sind noch in Freiheit zu finden.

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Wir setzen unseren Weg zum Pazifik fort, die Reise führt uns zum Japanischen Meer. Dort finden wir eines der wohl seltensten Tiere im Tierpark. Weniger als 500 Sibirische Tiger leben noch in freier Wildbahn. Es ist ein Armutszeugnis für unsere Menscheit, dass wir diese so beeindruckenden Tiere, auch bekannt als Panthera tigris altaica, beinahe ausgerottet haben. Männliche Exemplare dieser Gattung bringen bis zu 300 kg auf die Waage.

Dieses Jahr würde ich sie eher als schlaftrunken bezeichnen, auch wenn sie mich dabei spontan an unseren Stubentiger erinnern. Getreu dem Motto, Katzen sind alle gleich:

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Damit Sie mal einen richtigen Eindruck dieser majestätischen Tiere bekommen, habe ich mal in meinem Archiv gegraben. Eine meiner besten Aufnahmen stammt ebenfalls aus Hellabrunn und entstand vor 11 Jahren (2006) an fast der gleichen Stelle:

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Wir wenden uns nun den tropischeren Gefilden in Richtung Süden zu. Borneo und Sumatra sind die Heimat unserer Vorfahren, den Orang-Utans. Auch sie sind vom Aussterben bedroht, wenn auch ihre Zahlen (ca. 14.000 auf Sumatra, 54.000 auf Borneo) noch höher ausfallen, als die des Sibirschen Tigers. Den Nachwuchs der Menschenaffen in Hellabrunn bekamen wir leider nicht zu Gesicht, dafür aber diesen verspielten Kollegen:

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Im selben Großraum findet sich die Insel Java. Sie ist die Heimat der Silbergibbons. Wenig überraschend gelten auch diese als bedroht. 2008 schätzte man den Bestand auf weniger als 2.500 Exemplare. Erwähnenswert: Hellabrunn ist einer der Tierparks, die ein Zuchtprogramm für Silbergibbons zum Erhalt der Rasse vorantreiben.

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Wir nehmen jetzt Kurs auf die südlichen Polarregionen. Unterwegs machen wir aber noch einen Abstecher über Neuseeland. Dort lebt eine Papageien-Art, die mich seit der ARD-Dokumentation „Kluge Vögel“ sehr fasziniert. Sie sind verspielt, intelligent und – was sie mir sehr sympatisch macht – in hohem Maße neugierig. Die Rede ist vom Bergpapagei, dem Kea.

Sie nutzen Wekrzeuge, erkennen ihr Spiegelbild und haben definitiv ein technisches Verständnis. Ob Rucksäcke oder mit schweren Holzstücken beschwerte Mülltonnen, nichts ist vor ihnen sicher. Wenn Sie einmal eine Gelegenheit haben, eine Dokumentation über diese Papageien anzusehen, nutzen Sie sie. Sie werden sehr viel Spaß dabei haben.

Leider gilt auch er als gefährdet, die Größe der Population ist rückläufig.

Unvermeidbar bei jedem Zoobesuch mit Kindern ist nun der Abstecher zu den Pinguinen. Die kleinen Vögel sind in vielen Regionen heimisch, egal ob wir vom Nördlichen Felsenpinugin reden  (Südlicher Atlantik, pfeilschnell unter Wasser, mit sehr dekorativem Kopfschmuck, ebenfalls gefährdet) …

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Königspinguin (Südliche Polarregion noch in treibeisfreien Gewässern) …

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… oder dem Humboldt-Pinguin (Peru und Nordchile, gefährdet).

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Allein schon bei der Erwähnung des Namens Alexander von Humboldt könnte ich schon wieder einen Exkurs starten, der deutsche Forscher und Namensgeber für den Humboldt-Pinguin genoss nicht umsonst bereits zu Lebzeiten ein hohes Ansehen. Aber zurück zu unserer Reise.

Wir wenden uns jetzt Südamerika zu, einer Region, die ebenfalls eine enorme Artenvielfalt in sich birgt. Unter anderem wären da die Alpakas, die wohl jeder schon einmal gesehen hat. Eine weitere Unterart der Kamele. Sie hielten Siesta, als wir bei ihnen vorbei kamen.

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Auch die Nandus sehen wir häufig. Wie der Strauß ein flugunfähiger Vogel, beheimatet in weiten Teilen Südamerikas. Und Norddeutschland. Genau, Sie haben richtig gelesen. Norddeutschland. Im Jahr 2000 konnten einige Nandus aus einem Gehege ausbrechen. Sie bilden die bis heute einzige Nandu-Population, die sich nach einem Ausbruch etablieren konnte…

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Ebenso bekannt, und auf dem südamerikanischen Kontinent weit verbreitet ist der Gelbbrustara, der mit seinen schillendern Farben schnell die Blicke auf sich zieht. In der riesigen, begebahren Freiflugvoliere des Tierparks zog er mehr als einmal über uns hinweg und beeindruckte mit sienem strahlend gelbblauen Gefieder.

Ein ebenso schönes Foto dieser Tiere zu erhalten, erwies sich indes als schwierig, mehr als einen flüchtigen Eindruck vermittelt die folgende Aufnahme leider nicht.

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Ebenfalls nicht gefährdet ist der Scharlachsichler, oft auch als Roter Sichler bezeichnet. Im nördlichen Südaberika heimisch ist sein leuchtendrotes Gefieder kaum zu übersehen. Seine Landung im Baum zeugte allerdings von erheblich weniger Eleganz als die des vorangegangenen Aras.

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Was verbleibt aus den Vogelvolieren? Eine Reihe von Bildern mit Tieren, die wir nicht genau zuordnen konten. Einerseits, weil es mir entging, die Erkennungstafeln zu photographieren, andererseits, weil wir ebendiese manchmal gar nicht fanden. Vorenthalten möchte ich ihnen einige dieser Aufnamen aber allein aus diesem Grunde nicht:

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Den nordamerikanischen Kontinent streifen wir bei unser heutigen Reise nur kurz. Denn die beinahe unvermeidlichen Kanadagänse (auch in Europa zu finden) waren im ganzen Park immer wieder zu finden und hatten dabei mitunter auch ihre Differenzen mit ihrer Nachbarschaft…

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Damit setzen wir ein letztes Mal hinweg über einen der großen Ozeane und erreichen Afrika. Die Urwiege unserer Welt. In den Savannen südlich der Sahara im Osten und Süden Afrikas finden wir die Netzgiraffen, eine der vier Giraffenarten. Bis heute erstaunt es mich, dass diese bis zu fünfeinhalb Meter hohen Tiere überhaupt „funktionieren.“

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Vergleichsweise unspektakulär sind daneben die Hartmann-Bergzebras aus dem südlichem Afrika. Auch die Bergzebras sind gefährdet, vor allem das Kap-Bergzebra mit nur noch circa 1.500 Tiere existieren.

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Natürlich sind auch Affen in Afrika zu finden, wer hätte das gedacht! Sehr bekannt sind die Paviane, die sich über ganz Afrika verbreitet haben und in wohl jedem Tierpark zu finden sind. Der Chef(?) hier hatte jedenfalls alles im Blick.

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Nicht direkt in Afrika sondern vorgelagert auf Madagaskar leben die stark gefährdeten Roten Vari. Der Nationalpark Masoala schützt einen Teil ihres letzten Verbreitungsgebiets.

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Und hier findet unsere lange Reise jetzt ihr Ende.

Ein Tier fehlt aber noch, vielleicht können Sie sich schon denken, welches.

Ein Tier, das wir alle von klein auf kennen.

Panthera leo, der König der Tiere. Früher war er in ganz Afrika, im südöstlichen Europa, in Vorderasien und Indien zu finden. Heute leben weniger als 30.000 Löwen auf die Savannen südlich der Sahara bis hin zu den Nationalparks im südlichen Afrika.

Mit den Bildern der zweitgrößten Katze der Welt möchte ich mich für heute verabschieden. Lassen Sie uns alles dafür tun, dass wir all diese Tiere auch 2050 noch in freier Wildbahn antreffen werden.

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Bon voyage!

Angrillen

Nun, vielleicht nicht ganz.

Angegrillt haben wir hier natürlich schon vor einiger Zeit. Dann wieder auch nicht. Nachdem mich kürzlich mal wieder etwas der Frust gepackt hatte und hier noch ein passender Gutschein herumlag, wurde ich mal wieder im Netz der Netze aktiv und sponsorte die Wirtschaft mit ein paar meiner Euros. Heraus kam dabei Der Grill™:

Der Grill

Der Grill™

Also das Original, das einzig Wahre, das Gerät, an dem sich die Gemüter um so grundsätzliches drehen wie: Weber oder die Konkurrenz (ich mag keine Kopien) – Kohle oder Gas (ich wollte einen Grill für Echte Männer™).

Ja, mir ist schon klar, dass ich mich gerade mit der letzten Aussage dem Spott von Minchen und ihrer Frau Mutter (sie wissen schon, die aus Lutetia) aussetze…

Wissen Sie was? Ich kann damit ganz gut leben. Man lebt ja schließlich nur zweimal. Sagte Bond. James Bond. Und er muss es ja wissen, hat er doch ein gewisses Händchen, was Frauen betrifft. Oder vielleicht auch nur das passende Drehbuch. Ob das mir auch hilft, fragen Sie? Nun, wohl eher nicht.

Was Sie wohl unweigerlich zum nächsten Punkt bringt: Was will ich mit dieser Assoziationskette von Ihnen? Nun, hauptsächlich die Zeit herumbringen, bis meine Photoverwaltung die ganzen neuen Bilder von meiner Apfeltasche heruntergeladen hat. Sonst hätte ich hier ja stattdessen einige Minuten Stille auf der Tonspur gehabt, das hätte sie wohl nicht unbedingt von Ihrer Sitzgelegenheit gehauen.

Wir sind bereit!

Wir sind bereit!

Letzte Woche also haben wir bei bestem Sommerwetter (an dieser Stelle nochmal meinen persönlichen Dank an Petrus) aus einem Paket voller Einzelteile das fertige Endprodukt hergestellt.

Ich kann Ihnen sagen, in schwarzem Hochglanzlack sieht das Ding ja schon edel aus. Praktisch ist es nicht. Fingerabdrücke meinen Sie? Ja, das auch, aber das meine ich nicht. Lassen Sie mal auf schwarz lackiertes Metall eine halbe Stunde die Hochsommersonne draufknallen, dann wissen Sie, worauf ich hier zart anspiele.

Nun denn, auch das ist ein lösbares Problem, es ist ja dann auch wieder nicht so ungewöhnlich, dass ein Grill so heiß wird, dass man ihn nicht mehr einfach so anfassen kann. Also wohl doch kein Mangel.

Ein Stück Schweinebraten hatten wir griffbereit und haben ihn mit Steve Raichlens Basic Barbecue Rub bearbeitet. Der Ur-Amerikanischsten aller Würzmischungen, der absolute Gold-Standard aller Rubs. Klingt theatralisch. Ist es auch. Schmeckt aber richtig gut, die Kombination aus (unter anderem) Paprika, Pfeffer, braunem Zucker, Rauchsalz (Hickory), Knoblauch und Zwiebeln.

Voilà

Voilà

Gute anderthalb Stunden später war es dann soweit, zusammen mit den Kartoffeln haben wir den Braten vom Feuer genommen und haben zu einer sehr vernünftigen Zeit dann auch unser Abendessen genossen. Was erstaunlich ist, denn sonst bin ich beim Grillen eigentlich eher zu spät als pünktlich (also von „zu früh“ reden wir lieber mal gar nicht).

Geschmeckt hat es sehr gut, vor allem auch Tags darauf, als wir die übrig gebliebene Hälfte zum Mittagessen abgearbeitet haben.

Heute haben wir darauf hin einen Gang hochgeschaltet. Begonnen hat alles wieder mit einem Schwung des Basic Barbecue Rubs. Sie merken schon, es scheint in unserer Küche einen gewissen Stellenwert zu haben. Dazu möchte ich noch erwähnen, dass es sich mitnichten um ein Fertigprodukt handelt. Alle Würzmischungen werden in meiner Grillküche selbstverständlich eigenhändig zubereitet.

In diesem Falle stammte die Idee für unser heutiges Erlebnis aus Memphis, altägyptisch Men-nefer, beziehungsweise Inbu-hedj, und Hut-ka-Ptah. Je nach dem halt, was Sie bevorzugen. Nach einigem Hin- und Her habe ich mich dann doch wieder für Memphis entschieden.

Strategisch an der Mündung des Nildeltas gelegen (rund 20 km südlich des heutigen Kairos) war es eine bedeutende Stadt in der Zeit des alten Ägypten. Wie bei vielen Städten dieser vergangenen Hochkultur finden sich auch dort Relikte wie die Djoser-Pyramide oder die Ruinen des Pharaos Apries (ca. 580 v. Chr.). Dieser schaffte es trotz einer ganzen Reihe militärischer Auseinandersetzungen, die in einem Aufstand seiner Armee endeten, einen Eindruck von Wohlstand zu hinterlassen. Er verschenkte kurzerhand Ländereien, Diener und Vieh aus dem Vermögen seines Vaters.

Aber ich schweife ab.

Wir waren bei Memphis, das ebenfalls eine faszinierende Geschichte verbirgt. Es stand unter dem Schutz des Gottes Ptah, dem Schutzpatron der Handwerker, den ich heute gut hätte gebrauchen können (seien Sie beruhigt, entgegen meiner sonstigen Statistik bin ich noch unverletzt). Erst mit dem Aufstieg Alexandrias begann der Niedergang von Memphis.

Was mich wieder zurück in die Gegenwart führt, den natürlich hat das alte Memphis außer auf Grund seines Namens nichts mit meinem Grill zu tun. Unser Memphis befindet sich im amerikanischen Bundesstaat Tennessee. Dort finden jeden Mai die Meisterschaften im Barbecue statt. So zeitlos wie der Sound eines gewissen Elvis Presleys ist das fragliche Rezept zwar nicht, geschmeckt hat es trotzdem.

Es handelt sich um eine der verrückteren Arten, ein Huhn zuzubereiten. Man benötigt dazu eine Bierdose, die man oben mit einigen zusätzlichen Öffnungen versieht. Das fragliche Huhn wird dann auf eben diese Dose daraufgesteckt (ja, ich meine das ernst) und so in der Senkrechten gegrillt.

Die Idee dahinter ist, dass so das Fett leichter ablaufen kann (tut es) und das Fleisch saftig und sehr geschmackvoll wird (tut es ganz sicher). Der Trick dabei ist nämlich, das gut die Hälfte des ursprünglichen Inhaltes in der Bierdose verbleibt. Ein wenig verrückt, aber unglaublich lecker.

Die wiederverwendbare Geflügelgrillbierdosenersatzhalterung.

Die wiederverwendbare Geflügelgrillbierdosenersatzhalterung.

Die Hersteller des schwarzen, kugelförmigen Kochwerkzeugs wären auf dem Markt nicht so erfolgreich, wenn sie nicht auch hierfür ein passendes Zubehörteil erfunden hätten. Was in der heutigen Zeit sehr nützlich ist, finden sich doch kaum noch Bierdosen. Glücklicherweise haben mir Minchens Eltern (die aus Lutetia) mir eines dieser Geräte überlassen und so konnte ich also direkt zur Tat schreiten.

Das Huhn wurde zuvor ausführlich mit dem so vielseitigen Rub bearbeitet. Dieser durfte ein paar Stunden einziehen.

Derweil habe ich also den Grill angeheizt. Und hatte da so mein Kreuz damit. So zwischendurch hatte ich überlegt, ob es wohl das erste Mal sei, dass ich einen Grill in Betrieb nehme. War es nicht, und irgendwann erklärte ich den Konflikt zwischen mir und der Glut dann zu einer persönlichen Kiste.

Das half.

Es dauerte zwar ewig, bis ich eine Glut hatte, und die war dann erst mal für gut eine halbe Stunde viel zu heiß, aber dann konnten wir mit nur wenig Verspätung zur Tat schreiten. Also „wenig“ für die typischen Verhältnisse der Deutschen Bundesbahn. So eine Stunde oder so.

Das Huhn nach 30 Minuten.

Das Huhn nach 30 Minuten.

In dieser Stunde hatte ich genügend Zeit, mir Gedanken um die Frage nach dem Warum zu machen. Ich fand eine Antwort, deren Wahrscheinlichkeit nicht zu gering war und die es mir erlaubte, mich halbwegs sauber aus der Affäre zu ziehen. Ich verwende seit heute eine andere Kohle, die Stücke sind kleiner und die Brenneigenschaften völlig anders als meine übliche Quelle. Nun denn, ich werde das wohl noch optimieren müssen.

Wissen Sie was das größte Problem an diesem Grill ist?

Ganz einfach: Er ist nichts für Neugierige. Und schon gar nichts für einen alten Alemannen wie mich, der notorisch wunderfitzig ist. Denn man darf nicht alle fünf Minuten reinschauen. Auch nicht alle sieben. Oder Zehn.

Das Huhn nach 60 Minuten.

Das Huhn nach 60 Minuten.

Am Besten nur genau dann, wenn es das Rezept vorsieht, beispielsweise zur Behandlung des Bratobjektes während der Grillzeit (haben wir in diesem Fall nicht) oder zum Nachlegen von Kohlen wenn’s mal wieder länger dauert (so lange dauerte es in diesem Fall nicht).

Das Rezept war eindeutig und ich möchte es für Sie kurz zusammenfassen, so dass Sie das gesamte Ausmaß meines Leidens erkennen können:

Sie nehmen also den Geier, stellen ihn auf den Grill und schließen diesen.

Wenn er dann fertig ist, so nach frühestens 1¼ Stunden nehmen Sie ihn vom Grill und lassen ihn noch fünf Minuten ruhen. Fertig.

So einfach ist es, und doch so schwierig.

Ergebnis, das Zweite.

Ergebnis, das Zweite.

Perfekt war es noch nicht, weil das mit der Hitze im Grill noch nicht so hundertprozentig klappt und wir auch etwas ungeduldig waren, gab es ein, zwei Stellen, die nicht so ganz durch waren.

Dann gibt es noch so ein paar Tricks von Minchens Mutter (die aus Lutetia¹), an die ich schlicht nicht gedacht hatte. Zum einen sollte man die Haut an ein paar Stellen anpieksen, so dass das Fett leichter abfließt.

Und was noch viel, viel wichtiger ist, die Haut des Vogels kann alle halbe Stunde oder so mit einer Lösung aus Olivenöl und dem Basic Barbecue Rub eingeschmiert werden. So wird sie knuspriger.

Wissen Sie, was an letzterer Kiste das allerschönste ist? Nicht die knusprige Haut, obwohl man sich auch für diese niederlegen könnte, wenn sie einem so richtig gelingt, nein.

Ich darf wieder zwischendurch einen Blick unter die Haube werfen!

In diesem Sinne:

Bon appetit!

¹ Eine Frage verbleibt an dieser Stelle: Wie oft muss ich Ihnen die Kiste von Lutetia hier schreiben, bis Sie mir das auch tatsächlich abnehmen würden? Ein gewisses statistisches Interesse ist hier in mir geweckt…

Der Hänger – Teil 1

hängerSonntag vor einer Woche haben Minchen und ihre werte Frau Mutter (Sie wissen schon, die aus Lutetia) wieder einmal unseren guten, alten Pferdehänger einer Reinigungskur unterzogen. Zum Glück – das muss man so schon fast sagen – haben sie dabei auch einen Blick unter die Gummimatten geworfen, die ansonsten immer so schön den Unterbau des Hängers vor unseren Augen verborgen halten. Was da zum Vorschein kam, dass vermuten Sie wohl bereits, hat uns nicht gerade gefallen:

kaputter boden

Nach einigem hin- und her haben wir beschlossen, dass es doch eigentlich nicht so schwer sein kann, diesen Boden selbst auszutauschen. Eigentlich wollte ich ja Urlaub auf dem Balkon machen. Stattdessen wird jetzt halt die Werkstatt beehrt. Das schadet wohl auch nicht, denn schließlich bin ich dann ja weg von der Straße. Oder so…

bretterNun denn, die erste Hürde haben wir bereits genommen. Ein Schreiner vor Ort hat uns die passenden Bohlen auf die Länge des Hängers zurechtgesägt, rund drei Meter lang und fünf Zentimeter stark. (Bitte entschuldigen Sie hier das schrecklich unscharfe Photo…)

Abholen konnte ich besagte Bohlen noch am Samstag. Bei der Gelegenheit „durfte“ ich mit dem Gespann aus Nobelhobel und Hänger mal wieder umdrehen üben, was in dem eher kleinen Hof des fraglichen Schreiners durchaus eine Herausforderung war. An dieser Stelle meinen Dank an den Erfinder der stufenlosen Automatik (hier: Multitronic), die ein derartiges Manöver sehr angenehm gestaltete. Das Holz liegt jetzt brav in unserer Werkstatt und harrt zusammen mit mir der Dinge, die da kommen.

img_0407Die erste Bestandsaufnahme nach einer gründlichen Dusche mit dem Hochdruckreiniger fiel dann an und für sich ganz positiv aus. Einige Schrauben wurden erst einmal ins Alteisen geschickt, die machten mir keinen übermäßig vertrauenswürdigen Eindruck mehr.

Ähnlich sah es mit einigen Teilen der Elektrik innerhalb des Hängers aus. Zumindest wissen wir nun, warum die Innenbeleuchtung nicht mehr funktionierte…

IMG_0408Ein guter Bekannter meines Vates, seines Zeichens ebenfalls Schreiner, hat mir dann glücklicherweise noch ein wenig Arbeit erspart. Zunächst war nämlich der Plan der, die Holzbretter mit einer Lasur etwas haltbarer zu machen. Seine (allemannische) Meinung war recht eindeutig: „Dees kaasch d’r schpare“. Zu Deutsch: „Das kannst Du Dir sparen“. Offensichtlich sind die Hinterlassenschaften der Pferde derart aggressiv, dass eine Lasur da keinen nennenswerten Vorteil bringen würde.

Samstag Nachmittag war ich schließlich kurz vor dem Versuch, die erste der alten Planken aus dem Hänger hebeln zu wollen. Nur um gleich wieder einen Schuß vor den Bug zu kassieren: Unter dem Hänger ist natürlich noch diverse weitere Elektrik verlegt. Hätte ich mir denken können, irgendwie muss ja der Strom zur Beleuchtung des Nummernschildes gelangen. Und da ich mich mit meinem Waschbärbauch eigentlich nicht unter den Hänger mühen will, war die Antwort hier relativ einfach: Unter einem unserer Garagenstellplätze gibt es eine Grube, von der aus man bequem ohne Hebebühne oder dergleichen an einem Fahrzeugboden arbeiten kann. Eine gute Gelegenheit, diesen Teil meiner Werkstattausrüstung endlich einmal einzuweihen.

Recht schnell reifte parallel allerdings auch die Erkenntnis heran, dass man das Dach des Hängers wohl herunternehmen müsse. Zumindest, solange ich die Garage nicht um wenigstens 60 Zentimerter aufstocken würde. Da dies nicht in Betracht kam, freut sich jetzt unser Nachwuchs über ein großes „Zelt“ in der Einfahrt:

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Zu zweit liess sich der Hänger daraufhin gut in die Garage hineinrangieren:

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Viel länger hätte das gute Stück allerdings auch nicht sein dürfen.

Wie die Geschichte weitergeht, erfahren Sie im Laufe der nächsten Tage. Bis dahin werde ich Ihnen hoffentlich Antworten auf einige drängende Fragen geben können. Beispielsweise ob in der Grube Kohle (oder Krokodile) zu finden waren. Oder ob der Ausbau der Planken nun doch ohne eine Ladung Zaubertrank zu machen war.

Schalten Sie also wieder ein, wenn es heißt „Der Hänger – Teil 2“.

Liebe Günzburger Zeitung…

Liebe Günzburger Zeitung,

als langjähriger Leser Ihres Blattes fand ich es jetzt doch einmal an der Zeit, mich auch zu Wort zu melden. Insbesondere in Ihrer Rubrik „Internet & Multimedia“ lässt der journalistische Anspruch doch immer wieder zu wünschen übrig. So auch am 4. Oktober diesen Jahres.

Ich gebe ja durchaus zu, dass derartige Themen einen gewissen Aufwand bedeuten. Gerade aber von einer Zeitung, die in einem nennenswerten Teil ihres Verbreitungsgebiets keinerlei erwähnenswerte Konkurrenz besitzt, würde ich mir doch ein wenig mehr erwarten.

Während ihr Artikel über e-Reader durchaus nicht als „falsch“ einzustufen ist, bleiben doch einige Punkte unerwähnt, die für eine angehende digitalisierte Leseratte von nicht geringer Bedeutung sein dürften. Vermutlich ist das „Fachmagazin SFT“ (Spielfilmtechnik) sich dieser Dinge nicht bewusst gewesen oder der Autor des Berichts hielt sie schlicht nicht für relevant.

Lassen Sie uns doch mit der Modellauswahl im Artikel beginnen, dem wohl größten Schwachpunkt des Artikels:

Der Weltbild Reader, obgleich der wohl günstigste Reader, den man derzeit auf dem Markt findet, dürfte eigentlich keiner Kaufempfehlung wert sein. Der Preis macht eben nicht alles: Der Reader verwendet die veraltete eInk Vizplex Technik, die im Vergleich zu den aktuellen Displays einen erheblich geringeren Kontrast aufzuweisen haben. Im Sonnenlicht ist dies noch nicht problematisch, im Kunstlicht allerdings macht es keinen Spaß. Die fehlende WLAN Verbindung mach den Einkauf von Büchern zur Tortur, man ist auf die Übertragung auf Adobe Digital Editions (dazu später mehr) angewiesen. Mit rund 220 Gramm ist der Reader auch vergleichsweise schwer.

Kein Vergleich mit dem einfachen Reader von Amazon, dem Kindle (ohne Touch, Paperwhite oder andere Ergänzungen). Zusammen mit der beinahe perfekten Einbindung des Amazon Shops ist dies der Reader der Wahl für den Einsteiger. Denn nur Amazon hat es bisher geschafft, die Benutzung des digitalen Lesegeräts so einfach umzusetzen.

Sonys PRS-T2 ist sicherlich auch kein schlechtes Gerät – nur war es bereits veraltet, als es auf der Bildfläche erschien. Verglichen mit der zeitgleich erschienenen Konkurrenz jedoch verliert er deutlich. Amazon und Kobo verbauen bessere Displays, die gleichzeitig eine integrierte Beleuchtung besizten. Für den gleichen Preis. Sony betrieb mit dem T2 lediglich einfache Modellpflege und hat damit effektiv den Anschluß an den Markt verloren.

Womit wir auch gleich auf die beiden derzeit wohl besten Reader kommen. Da ist auf der einen Seite Amazons Kindle Paperwhite, auf der andederen Seite den Kobo Glo. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick: Die Displays der beiden Geräte haben eine spürbar höhere Auflösung als die Konkurrenz. Wer am Beispiel eines iPad 3 den Unterschied einmal gesehen hat, wird dies nicht mehr missen wollen. Das Lesen ist noch angenehmer und entspannter, da die Schrift gestochen scharf abgebildet wird. Bei beiden Geräten kommt eine integrierte Beleuchtung hinzu, wodurch auch schlechte Lichtverhältnisse kein Problem mehr darstellen. Beide Reader sind ebenfalls für 130 bis 140 € erhältlich und stechen damit den Sony aus.

Das 160 € teure Pocketbook Touch ist – wie der PRS-T2 – ebenfalls ein solides Gerät, der Preis ist allerdings nicht gerechtfertigt, berücksichtigt man den Funktionsumfang der neuen Alternativen.

Kommen wir zum Schluß nun aber zur eigentlichen Gretchenfrage bei der Entscheidung für einen eReader, denn im Grunde muss man sich hier zwischen zwei Lagern entscheiden. Dank drakonischem digitalem „Rechtemanagement“ sind die technisch hervorragenden Reader von Amazon nicht mit dem Rest der Welt kompatibel. Nachdem die Verlagswelt scheinbar darauf besteht, die Fehler der Musikindustrie zu wiederholen, muss man sich hier also  für ein Übel entscheiden.

Die eine Seite – Amazon – verwendet ein eigenes (also proprietäres) System zum Schutz vor unerlaubter Verfielfältigung. Man verheiratet sich hier mit einem Hersteller (das sind wir ja von Apple oder Google schon gewöhnt…) und bekommt dafür alles aus einer Hand. Das Ergebnis ist ein System, das gut zusammenspielt. Dies ist vor allem für technisch unbedarfte Personen von immenser Bedeutung. Das wird jeder zu schätzen wissen, der seine Eltern über ein Telefon durch diverse Computerprobleme navigieren musste. Zusammen mit dem gut integrierten Shop garantiert dies ein einfaches Einkaufserlebnis ohne größere Nebenwirkungen.

Die andere Seite – also der Rest der Welt – setzt heute auf ePub Bücher, die durch Adobe Adept geschützt werden. Grundsätzlich sind so geschützte Bücher auf jedem Adept-Reader zu lesen. Was zunächst gut klingt bedeutet aber in aller Regel eine gewisse Bastelei, denn die zu Adept gehörige Software „Adobe Digital Editions“ ist nicht gerade der König der Benutzerfreundlichkeit. Probleme sind hier immer wieder anzutreffen. Die Vielfalt der Geräte ist dabei auch ein Problem, denn die Qualität Integration der verschiedenen Online Shops variiert sehr stark.

Sicherlich könnte man noch einiges mehr über diese Thema verlieren, jedoch würden Sie dann wohl eine zweite Seite für diese Rubrik benötigen. Nichts desto trotz sollte man aber eine gewisse Recherche erwarten können – insbesondere wenn man bedenkt, dass in den letzten Wochen vor Erscheinen des Artikels eine ganze Reihe von neuen Geräten vorgestellt wurden.

In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Tag,

Ihr Schnäuzelchen

Frühaufsteher unter den Beeten

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen, meine Leserschaft. Nachdem Junior mit der Schwarzwaldoma im Tierpark ist und Prinzesschen munter schlummert habe ich beschlossen, Sie an meinem letzten Projekt teilhaben zu lassen.

Wie Sie anhand des Titels wohl schon erahnen, hat mein heutiger Beitrag nicht direkt mit meinen letzten kulinarischen Errungenschaften (z.B. der Kansas Sweet and Smokey BBQ Sauce, sehr zu empfehelen) zu tun. Unser heutiges Thema dreht sich mehr um die Produktion der benötigten Rohmaterialen, die in einer zweitägigen Bauaktion für ein Frühbeet mündete.

Aber lassen Sie mich am Anfang beginnen, wie das ja literarisch so üblich ist. Am Anfang war nun, glaubt man einschlägigen historischen Aufzeichnungen, das Wort. „Schnäuzelchen, wir brauchen ein Frühbeet.“ – Frühbeet? Ein Beet das nur morgens nutzbar ist?

Nun gut, so schlimm war es um mein Gartenwissen dann doch nicht bestellt. Mir war durchaus klar, dass sich „Früh“ hier auf die Jahreszeit und nicht auf den Tag bezog. Die Diskussion drehte sich daher zunächst eher um grunsätzliche Dinge wie die gewünschte Größe der Konstruktion. Nachdem ich erfolgreich die üblichen etwas vagen Aussagen in einen nur wenig konkreteren Plan umgewandelt habe, sah die Schnittmenge zwischen Anforderungen und vorhandenen Möglichkeiten in etwa so aus:

Begeben wir uns nun etwas weiter zurück in die Vergangenheit, denn Sie ahnen sicher, dass es für mich Informatiker nicht ganz so einfach war. Eine gewisse handwerkliche Begabung möchte ich mir selbst ja gar nicht in Abrede stellen. Problematisch bleibt aber die mangelnde Erfahrung in diesen Dingen. Nur, so sagte ich mir, wenn ich es nicht versuche, wird dieses Problem auch nicht verschwinden. Begonnen hat die Reise ungefähr hier:

Als aufmerksamer Beobachter haben Sie sicher schon den Notizblock auf der hinteren Glasscheibe entdeckt. Mir war nämlich recht schnell klar, dass ich mit dem schrägen Rand ein Problem hatte. Die bekannte Größe war, wie Sie sehen, nicht etwa die Grundfläche des Beetes sondern die Länge der Schräge.

Nur … wie war das jetzt mit der elementaren Geometrie. Es ist schon einige Jahre her, dass ich zuletzt so konkret mit Dreiecken zu tun hatte. Zunächst hatte ich die Befürchtung, mich in den Untiefen der Trigonometrie zu verlieren, bis mir eine einfache Erkenntnis kam: Mir ging es nicht etwa um Winkelberechnungen. Nein, im Gegenteil. Der Schlüssel war der Rechte Winkel, den das Dreieck in der unteren, hinteren Ecke bilden würde. und die Tatsache, dass die Höhe der Konstruktion vorgegeben war.

Plötzlich dämmerte es mir, dass die Lösung erheblich einfacher war. Ein Problem, dass die alten Griechen bereits gut 500 Jahre v. Christus gelöst hatten. Genauer genommen ein bestimmter Grieche, nämlich Πυθαγόρας. Erinnern Sie sich? Im Schulunterricht wird er gerne auch als Pythagoras von Samos diktiert – zumindest, seit Altgriechisch als Fremdsprache in der breiten Bevölkerung ein wenig aus der Mode gekommen ist.

Schon kurz nach seinem Tod galt Pythagoras laut Aufzeichnungen von Aristoteles als ein Begründer der Lehre der Mathematik bei den Griechen. Speziell gemeint war hier die Geometrie, die den Griechen als wichtigster Zweig der Mathematik galt.

Wenig verwunderlich ist in diesem Zusammenhang, dass Pythagoras laut Überlieferungen einige Zeit in Ägypten verbracht hat. Es wird kaum einer bezweifeln, dass dort die Ursprünge dieser Wissenschaft zu suchen sind. Zu beeindruckend sind die Monumente, die uns das alte Ägypten hinterlassen hat, die wohl erste Hochkultur unserer modernen Welt.

Zu Deutsch: „Horizont des Cheops“. So nannten die alten Ägypter die Cheops-Pyramide, eine der berühmtesten Hinterlassenschaften dieser Kultur. Gebaut wurde sie mit einer Präzision, die ich mir heute zwischendurch bei unseren Handwerkern (mir einschließlich) wünschen würde: Bei einer Seitenlänge 230,383 Metern (exakt 440 Ellen) und einer sich daraus ergebenden Grundfläche von 53.076 Quadratmetern weicht die Nivellierung von der Waagrechten über die gesamte Fläche nirgends mehr als 21 Millimeter von der Normalen ab. Ja, Sie haben richtig gelesen. Millimeter. Einundzwanzig. Das sind 0,009 % der Seitenlänge. Topfeben.

Ebenso die Seitenlängen selbst, deren Abweichung vom erstrebten Quadrat 13 Zentimeter nicht überschreitet. 13 Zentimeter entsprechen 0,05 % Abweichung auf die gut 230 Meter Länge. Die Ausrichtung der Pyramide weicht nur 3 Bogenminuten und 6 Bogensekunden – das sind rund 0,05° – von der Nordrichtung ab

Messen Sie mal die Seitenlängen oder die „rechten Winkel“ Ihres Wohnzimmers nach und vergleichen Sie das Ganze mit dem Bauplan.

Im Übrigen konnten diese Maße nicht einfach über die Diagonalen kontrolliert werden. Die Pyramide steht auf der Nord-Ost-Kante der Mokattam-Formation, einem Felssattel, der dem Bauwerk einen stabilen Untergrund lieferte. Umso bewundernswerter mutet die Leistung einer Zivilisation ohne Hilfsmittel wie Laserwasserwagen, -entfernungsmesser und GPS-Satelliten an.

Diese unvergleichliche Präzision war der Höhepunkt der alten ägyptischen Baukunst. Schon in den nachfolgenden Bauten wurde sie nicht mehr erreicht.

[Quelle: Wikipedia. An dieser Stelle ein Dank an die hervorragenden Autoren dieses offenen Projektes]

Gehen wir nun zurück zu Pythagoras: Fünf Jahrhunderte vor Christus dürften die Bauwerke einen enormen Eindruck auf den Griechen gemacht haben. Ob er in den Aufzeichnungen der ägyptischen Mathematik fündig wurde? Wir wissen es nicht. Wenig Konkretes ist hier bekannt. Erwiesen ist, dass die Geometrie ihren Ursprung in Ägypten hat. Die regelmäßigen Überschwemmungen des Nils hatten dort Landvermessungen immer wieder nötig gemacht.

Erwiesen ist, dass bereits die Babylonier den Zusammenhang der Seitenlängen des rechtwinkligen Dreiecks kannten. Entsprechend ist auch anzunehmen, dass dieses Wissen den ägyptischen Architekten kein Geheimnis war.

Wer jedoch den ersten formalen Beweis erbracht hat, darüber scheiden sich die Geister. Wohl auch aus diesem Grunde wird der Satz des Pythagoras wohl auch immer als dieser bekannt bleiben. Es ist noch nicht einmal sicher, ob Pythagoras seinerzeit den Beweis wirklich erbracht hat.

Es bleibt die Erkenntnis, dass ich ohne diesen alten Lehrsatz meine Probleme in der Konstruktion des Hochbeetes gehabt hätte. Wie auch immer die alten Ägypter, Babylonier oder Griechen hier zu einen Ergebnis kamen, mein Lösungsweg war recht banal:

Da waren sie, die gesuchten 128,5 Zentimeter Länge.

Der Rest meiner Bauarbeiten waren dann vergleichsweise unspektakulär. Das Quadrat wurde ein Parallelogramm, die Rückwand musste auf Grund eines Denkfehlers zweimal gebaut werden, davon abgesehen aber steht das Beet, die Glasplatten passen hinein und Minchen hat es breits einmal geschafft, die Pflanzen im Beet den Hitzetod sterben zu lassen. Ein ganz normaler Gartenalltag.

Nicht zu vergleichen mit der Leistung des alten Hemiunu („Diener des (Gottes) von Iunu“) der vermutlich der Baumeister der Cheops-Pyramide war.

Laksa Ayam

Guten Abend, werte Freunde der guten Küche. Nachdem unser letzter Ausflug uns auf die französischen Antillen geführt hatte, werden wir uns heute auf die andere Seite des Globus bewegen. 10.800 km östlich von Deutschland liegt Malaysia im südchinesischen Meer. Der Staat – eine der wenigen Wahlmonarchien der Welt – teilt sich in zwei Hälften auf: Die Malaiische Halbinsel im Westen schließt südlich an Thailand an, während die östliche Hälfte sich über einen Teil der Insel Borneo erstreckt. Die tropischen Gebiete sind die Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten, wie dem Borneo-Zwergelefant, der Bengalkatze sowie unzähliger Orchideenarten.

Wie so häufig im asiatischen Raum ist auch in Malaysia die Küche beinahe so farbenprächtig wie die Natur der Länder. Recht lebendig geht es im übrigen auch auf den malaiischen Märkten zu. Hühner beispielsweise werden dort lebend gehalten – der Kunde kann sich so von der Qualität der Ware überzeugen. Für viele Deutsche vermutlich undenkbar, dort aber üblich.

Ayam – das Huhn – ist dann auch zum Hauptbestandteil unseres Abendessens avanciert. Aber keine Angst. Die verarbeitete Hühnerbrust habe ich fertig vorbereitet beim Metzger erstanden. Auch wenn die Familien meiner Eltern beide ihren Ursprung in der ländlichen Landwirtschaft haben, entzieht sich das korrekte Schlachten und Verarbeiten einer Henne dann doch meiner Kenntnis. Und das ist wohl auch gut so, wenn Sie mich fragen.

Wie in der asiatischen Küche üblich, wird zunächst mal alles Mögliche in mehr oder weniger große Teile verarbeitet. Nüsse, Koriandersamen und Kümmel fein gemahlen (meiner alten Kaffeemühle sei Dank), Chilischoten, Knoblauch und Zwiebeln kleingeschnitten, Frühlingszwiebeln und das Hühnerfleisch in eher großen Stücken. Den Tofu (chin. 豆腐, jap. 豆腐, vietnam. 豆腐) habe ich zugegebenermaßen weggelassen.  Bohnenquark liegt nicht gerade auf unserer Wellenlänge hier im Haus.

Die Zutatenliste des Laksa Ayam garniert dabei die malaiische Küche mit Elementen aus Indien, Indonesien und China. Die Reisnudeln (Rice vermicelli) beispielsweise stammen aus China, während die Kemirinüsse wiederum aus Indonesien stammen. Leider war ich gezwungen, eben diese durch Macadamianüsse zu ersetzen, wie so oft sind die spezielleren, asiatischen Zutaten hier in Deutschland nicht ganz einfach zu bekommen.

Zunächst kombinert man Zwiebeln, Knoblauch, Nüsse, Kümmel, Koriander, Tomaten und Chilies zu einer sehr schmackhaften Mischung. Diese Mischung wird mit dem Fleisch, Sojabohnensprossen, Frühlingszwiebeln und Kokosmilch vermengt. Zuletzt werden die Reisnudeln untergemengt und man ist am Ziel:

Im übrigen ist auch dieses Rezept regional sehr unterschiedlich. Die hier zu sehende Variante stammt aus einem sehr hochwertigen Kochbuch v0n Christian Teubner. Einen Autor, den ich sehr empfehlen kann. Nicht unbedingt für die Alltagsküche, denn die Rezepte haben in der Regel einen gehobenen Anspruch, aber das hindert uns ja bekanntermaßen erst einmal nicht.

Forscht man im Netz nach „Laksa Ayam“ findet man unzählige weitere Varianten. In einem indonesischen Wikibook beispielsweise findet sich eine Variante, die mit Zitronengras, gekochten Eiern und nennenswert mehr Flüssigkeit arbeitet. Lustig ist übrigens die automatische Übersetzung via Google Translate: Dort wird aus 5 cm kunyit bakar die Anweisung „5 cm Kurkuma Kraftstoff“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bis zum nächsten Mal eine gute Zeit.