Doofe Farben

Schlaftrunkene Prinzessin beim nächtlichen Kontrollgang, bevor wir ins Bett gehen. 

„Papa hat Junior heute nicht vorgelesen, weil der an der Tapete rumgerupft hat.“ 

Dann Stirnrunzeln und ein grimmiger Blick. „Dabei macht man das doch nicht, man soll die Tapete weiß lassen, auch wenn weiß ’ne doofe Farbe ist. Ich finde ja lilapink viel besser!“

Spricht’s, schließt die Augen und schläft weiter. 

Flauridad

„Mama, was heißt eigentlich Flauridad?“, fragt mich das Prinzeßchen mittags, als ich sie vom Kindergarten abhole. 

Ich rätsele, was sie meint. „Wo kommt das denn vor?“ 

„Na, bei Laulen!“

Was zum Geier ist Laulen????? 

„Und wo hast Du das gehört?“

„Beim Papa, als er mich gebracht hat !“ (In den Kindergarten nämlich)

Hm. Ich versuche einen Schnellschuss und singe „Feliz Navidad“ an. Treffer!

„Kam das im Radio?“

Entsetztes Aufstöhnen. „Nein, nicht im Radio, im Sharan!!!!!“

Völlig losgelöst

Kennen Sie noch „Major Tom“ von Peter Schilling?

Ich erinnere mich noch gut, wie das Lied 1982 (das Jahr mußte ich nachgucken) herauskam. Da war ich acht Jahre alt, aber dennoch kann ich mich erinnern, dass es bei meinem Vater und natürlich den beiden Brüdern total beliebt war und ausgesprochen häufig gespielt wurde.

Kam es nur so oft im Radio und wurde ständig aufgedreht? Oder hatte sich mein Vater die Schallplatte gekauft? Ich kann mich nicht erinnern, ich müßte Herrn Vater mal fragen. Vielleicht bilde ich mir auch nur ein, dass es so oft lief ?

Wie auch immer, auch bei Schnäuzelchen ist es Bestandteil einer gerne gespielten Playlist, die außerdem noch so tolle Sachen wie „Bodo mit dem Bagger“ oder „Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehn“ enthält. Großes Kino also für die Kindelein.

Gestern fahren wir so zum Handballtraining in die Nachbarstadt und plötzlich beginnt das Prinzeßchen lautstark „völlig losgelöst“ zu singen. Die Melodie war recht frei interpretiert, aber erkennbar, die Textstücke reichlich durcheinander geraten.

Dann kommt die hübsche kleine Zeile „und grüßt mir meine Frau“ – und Erdbeerstuhurm!

Jawohl, sie haben richtig gelesen, Erdbeersturm. Das Prinzeßchen unterbricht sich, irritiert. „Gell, Mama, es gibt keinen Erdbeersturm!?!?“

Auf dem Weg nach Weihnachten

Jeden Tag muss unser Schlechtwetterauslauf abgeäppelt werden. Seit er vergrößert wurde ist das noch mehr Arbeit als vorher. Dafür ist in der Laufbox deutlich weniger zu tun, so dass es jetzt reicht, diese nur alle zwei Tage zu misten. Vorher war auch dieses einmal am Tag notwendig. Die Arbeit ist also nicht mehr geworden, sie hat sich nur verändert.

Allerdings auch nur, wenn es trocken ist. Denn ohne Niederschläge welcher Art auch immer kann ich den Pferden das Heu auf dem Auslauf füttern. Es wird schön entlang der Miste und an der Rückseite des Heuunterstandes aufgeschüttelt und kommt noch zusätzlich in die selbstgebaute, inzwischen schon reichlich zusammengenagte Heuraufe. Mit dieser Menge kommen die Pferde gut über den Tag beziehungsweise die Nacht. Da sie nur zum Schlafen in die Laufbox gehen, denn sie sind rechte Frischluftfanatiker, bleibt diese sauber.

(Wenn es regnet, muss das Heu im Trockenen liegen, daher dann nur Raufe und Stall. Dann gibt’s weniger Dreck draußen, dafür mehr drinnen.)

Egal, darauf wollte ich ja gar nicht hinaus. Würde auch nicht zum Titel des heutigen Posts passen.

Da stand ich also heute nachmittag mit Bollengabel und Mistkarre auf dem Auslauf und schaufelte Pferdeäpfel, während ich nebenher noch der Reitbeteiligung des Nachwuchsdressurpferdes Reitunterricht gab.

Auf einmal kommt Junior angedackelt. „Mama, darf ich Dir helfen?“ Selbstverständlich darf der junge Mann, er marschiert ab und kehrt mit Bollengabel und Schubkarre wieder, um ebenfalls fleißig Pferdeäpfel zu schaufeln.

Eine gute Viertelstunde später, der Auslauf sieht schon recht gut aus, bricht es dann aus ihm hervor: „Jetzt bin ich schon ziemlich gut auf dem Weg nach Weihnachten, oder?“

Mir fehlt so ein bißchen das Verständnis, also frage ich vorsichtig nach, wie er das denn nun meinen würde. „Ja, also – die Frau U. (seine Lehrerin, er besucht die zweite Klasse) hat gesagt, dass wir in der Zeit vor Weihnachten besonders brav sein sollen und am Besten jeden Tag unserer Mama helfen sollen.“

 

Leseratte 

„Mama, ich hab gerade in der Zeitung gelesen, dass die EM für Mario Gomez beendet ist!“

„Und, hast Du auch gelesen, warum?“

„Ja, wegen eines Muskelfaserrisses “

Der Bengel fasziniert mich. Kein Buchstabe ist vor ihm sicher. Offensichtlich nicht einmal die für einen Erstklässler doch reichlich klein gedruckte Zeitung…

Nach obiger Erklärung verschwand er wieder, um den Rest des Artikels zu lesen. 

Leberkäs‘

Wir sitzen bei der abendlichen Brotzeit. Die Kinder, allen voran das Prinzeßchen, sind hundemüde.

Ich schmiere dem Prinzeßchen eine halbe Scheibe Brot mit Butter. Darauf möchte sie Leberkäse, also bekommt sie eine halbe Scheibe. Die Scheibe ist ungefähr einen Zentimeter dick, bedeckt dafür die halbe Brotscheibe nicht ganz, aber fast.

Das Prinzeßchen meutert, sie wolle eine ganze Scheibe auf das Brot, was Schnäuzelchen ihr verwehrt. Und nun geht es los, das Theater. Sozusagen Komplettprogramm.

Das Heulen beginnt, immer wieder unterbrochen von „Ich will aber eine ganze Scheibe“, steigert sich zum Crescendo. Wir lassen uns nicht beirren. Das Prinzeßchen zeigt uns, wo der Leberkäse das Brot nicht bedeckt, immer noch heulend. Wir machen noch einmal unseren Standpunkt klar, das Abendessen geht weiter, in sich steigernder Heulbojenbegleitung.

Schließlich wird es Schnäuzelchen zu bunt, er nimmt das Prinzeßchen mitsamt ihres Stuhles, trägt beide in die Küche, erklärt dem heulenden Mädchen, es könne wieder zu uns kommen, wenn sie sich beruhigt hätte und schließt die Schiebetür.

Erstaunlich, aber wahr – das Geheul kennt noch eine Steigerung. Zwischendrin bricht ein wütend gekreischtes „AAAAAAAAHHHHH“ aus dem Kind hervor. Schnäuzelchen und ich gucken uns mit hochgezogenen Augenbrauen und aufgerissenen Augen an, fangen an zu grinsen, Junior beginnt zu lachen.

Scheinbar hat das Kreischen aber beruhigt, denn kurz darauf ist Ruhe in der Küche. Also wird das Prinzeßchen wieder an den Tisch geholt. Des Dramas zweiter Akt beginnt.

„Aber da guckt Brot unter dem Leberkäs‘ raus!“, Schnäuzelchen verschiebt den Leberkäs an die fragliche Stelle. Da nun natürlich an der anderen Seite noch VIEL mehr Brot rausguckt, beginnt die Sirene von Neuem.

„Ich will aber eine ganze Scheibe!!!!!!“

Ich schnappe mir ihr Brot, greife zum Messer und schneide die 1cm dicke Scheibe durch, so dass es nun zwei dünnere Scheiben sind. Als ich beginne,  heult das Kind „Mama, mach das nicht!!! Laß das!!!!!“.

Ich lege beide Scheiben aufs Brot, sie holt gerade wieder Luft, um ihr Gebrüll zu steigern. „Da, guck, jetzt guckt kein Brot mehr raus.“

Funkstille. Als hätte jemand einen Knopf gedrückt.

 

 

Fixe Gurken!

„Wenn man das mit der Hand macht, dauert’s länger. Wenn man aber einen Ladewagen nimmt geht’s fix wie ’ne Gurke!“

Wir grinsen uns eins. Schnäuzelchen fragt: „Nicht fix wie ’ne Orange?“

„Nee, ne Gurke ist schneller reif als ’ne Orange!“