Dressurreiter auf Abwegen

Eigentlich findet man mich ja eher mit meinen Pferden im Dressurviereck, zumindest auf Turnieren. Zuhause habe ich schon immer gerne mal ein Hüpferchen mit meinen Rössern gemacht. Abwechslung schadet weder Roß und Reiter und so Kleinkram springen die meisten Pferde, auch die weniger talentierten, gerne.

Seit dem vergangenen Jahr sah man mich auch das eine oder andere Mal auf einem Springplatz, da das eine meiner Pferde partout keinen Gefallen am Dressurreiten finden wollte. Und heute setzte ich der ganzen Sache dann noch die Krone auf.

Die Krone der Reiterei – so nennt man die Vielseitigkeit. Vielseitigkeit – früher sagte man Military – bedeutet, mit seinem Pferd alles zu können: Dressur, Springen und das Geländereiten über Hindernisse. Dazu braucht es bei Pferd und Reiter vor allem Mut und Vertrauen (Reiterliches Können setze ich nun einfach mal voraus).

Heute also mein Einstand in die „Busch“reiterei. Ein Lehrgang im schönen Weißenhorn. Lubianken war anfangs sehr nervös – der Reiter nicht minder – aber von Übung zu Übung klappte es besser und wir hatten beide einen riesengroßen Spaß daran!

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Dressurreiter auf Abwegen

„Wenn ich schon nicht nach Hannover aufs Trakehner Bundesturnier kann, reite ich wenigstens bei unserem vereinseigenen Springturnier mit!“, so ungefähr lautete die etwas frustrierte Entscheidung.

Am Sonntag stand also wieder mal ein A*-Stilspringen auf dem Plan. Der Tag fing schon toll an, denn Lubianken verweigerte den Einstieg in den Hänger. Nach ein paar Versuchen wurde uns das zu blöd – Buddy geholt, reingestellt. Zack, war Lubi auch drin. Diesesmal aber mußte Buddy wieder raus.

Dann merkte ich nach dem Losfahren, dass ich den Helm vergessen hatte. Also umdrehen, ohne Helm geht ja gar nicht. Zum Glück waren wir noch nicht weit weg, aber lästig war es allemal.

Der Rest ließ sich erst mal prima an. Das Wetter spielte mit, aber am Vortag hatte es ziemlich geregnet. Dementsprechend sahen die Abreiteplätze aus. Und das mit unbeschlagenem Pferd, Lubi eierte wie nur was. Folglich konnte ich sie kaum abspringen, weil wir nicht genug Schwung bekamen. Zumindest war abspringen über A*-Höhe (95cm) nicht drin, wir haben dann nach vier Hüpferli abgebrochen und uns darauf verlassen, dass die schon springt.

Dann hatte ich meine Handschuhe nicht dabei – die waren immer in der Hutschachtel. Nur dass ich die auf einem Springturnier ja nicht dabei hatte. Zum Glück lieh mir eine Bekannte die ihren. Sie hatte vorher eine 7,7 geritten und meinte nur „Die bringen Glück!

Drei Reiter vor mir fiel eine Reiterin ihrem Pferd direkt vor die Hufe. Der Schimmel mühte sich zwar ab, sie nicht zu treffen, aber die junge Frau blieb liegen. Alles schrie nach den Sanitätern und die Prüfung wurde natürlich unterbrochen.

Eine knappe Dreiviertelstunde ging das dann, inclusive Krankenwagen auf dem Reitplatz und Hubschrauber auf dem Parkplatz. Wahrscheinlich fand das nur mein Junior klasse. Ich überlegte ernsthaft, ob ich das Pferd aufräumen sollte, ob und wie mich dieser Unfall beeinflußt. Aber dann entschied ich, dass wir das ja eignentlich können und die Sicherheit kehrte wieder.

Dann gings irgendwann in den Parcours. Sieben Hindernisse, acht Sprünge. Lubi bekam wieder ihren Tunnelblick und legte los, das Ganze machte richtig Spaß. Das Resultat war dann eine 7,3 ohne Abzüge – und ein siebter Platz. Einfach genial, Lubis erstes Schleifchen und mein erstes Springschleifchen seit fast zwanzig Jahren.

Meine Bekannte durfte sich dann „Die Handschuhe hätte ich gerne öfter mal!“ anhören…

Im Parcours

Nachdem ich gestern den ganzen Abend überlegt hatte, ob ich nun einflechten sollte oder nicht, habe ich mich dann doch fürs Einflechten entschieden. Und dabei ziemlich geflucht, denn Lubiankens Mähne ist einfach viel zu dick, um sie in schöne Zöpfchen zu verwandeln. Verziehen läßt sie sich leider nicht, da bekommt sie hysterische Anfälle. Die Zöpfchen genügten meinen Ansprüchen an ’schön‘ nicht so richtig, aber es waren immerhin Zöpfchen.

Um halb Acht in der Früh ging es dann ans Verladen. Lubi war vom Einflechten schon ziemlich nervös. „Irgendwas ist heute anders!“, schien sie zu sagen. Der Hänger steht anders als sonst. Nein, da geh ich nicht rein. Mutter winkte mit dem Besen. Nein-da-geh-ich-nicht-rein. Also den Hafereimer vor die Nase gehalten. Ich will aber nicht. Breit gestellt. Nix da, ich geh in das Ding nicht rein.

Wirklich prima. Zwei Tage zuvor, als wir noch mal zum Springen wo anders hin fuhren, marschierte sie rein wie eine Eins. Frau Mutter und ich waren schon leicht angenervt. Aber was soll es. Dann nehmen wir halt Fuzzy mit aufs Turnier. Fuzzy in den Hänger geführt, Lubianken vollkommen problemlos hinterher. Alles klar, danke fürs Gespräch.

Eine gemütliche Stunde Hängerfahrt später kamen wir auf dem Turnierplatz an, der super einfach zu finden war. Eine tolle Anlage – großer Sandspringplatz, 60er Halle und eine nicht exakt Norm-Maß habende Halle zum Abreiten. Der Kuchen war lecker, die Teeauswahl brauchbar, die Pommes und das Fleisch wohl nicht so prickelnd, aber das nur vom Hörensagen, wir selber haben davon nichts gegessen.

Parcours abgegangen, sah eigentlich alles recht freundlich aus. Lange Wege, aber durchaus mit der Möglichkeit, abzukürzen. Ich entschied mich nur an einer Stelle für den kürzeren Weg, denn dort kam ich dennoch gerade auf die Kombination zu. Bei den anderen Möglichkeiten war mir das zu hakelig – schließlich sind sowohl Lubianken als auch ich gräßlich unerfahren. Lieber auf Nummer sicher, dafür Pferd nicht verprellt. Allerdings dachte ich mir an ein, zwei längeren Galoppstrecken, dass ich da vielleicht ein wenig Gas geben könnte – zurück bekommt man die ja recht gut. Soweit also der Plan.

Dann haben wir – reichlich früh – gesattelt und ich bin aufgesessen. Beim Richten war Lubi super brav und auch die ersten Meter vom Hänger weg waren problemlos. Dann aber… Nix – da geh ich nicht vorbei. Was es auch immer war, der grüne Zaun, die weiße Wand der Abreitehalle – Lubi ging nur noch rückwärts. Tja, Pech gehabt, Madame, das Theater kenn ich schon von Deiner Mama. Wir können auch rückwärts an der gräßlich gefährlichen Stelle vorbei reiten, wenn du schon rückwärts gehen willst.

Nach einer Weile wurde ihr das dann zu blöd und wir konnten umdrehen und halbwegs manierlich weiter reiten

In der Abreitehalle gab sie dann auch erst mal ein paar Runden die nervöse Giraffe, aber es legte sich diesmal sehr schnell, Trab- und Galopparbeit war prima, die ersten Steilsprünge auch. Beim ersten Oxer wurde erst mal geparkt, dann aber alles problemlos weiter.

Zeitig genug ging es dann in Richtung Turnierplatz. Und nun begann mich unser Angsthase zu erstaunen. Erst war sie richtig zappelig – dann konnte sie plötzlich gelassene Kringel vor dem Platz drehen und schließlich sogar recht friedlich hinstehen. Rein in den Parcours ging es durch so eine Art Bogen – ohne zu Zucken marschierte sie durch.

Sofort angetrabt, ein wenig Gegucke und Schieflaufen gabs vor diversen Werbeplakaten an der Bande. Ich suchte derweil die Richter – und fand sie nicht. Hielt bei den Zuschauern an und fragte nach. „Die sitzen da oben“, gabs zur Antwort – und richtig. Oben in der Reithalle im Stüberl. Da muß man erst mal drauf kommen, immerhin trennte Springplatz und Reithalle ein gut fünf Meter langer Gang, auf dem die Zuschauer und die Bewirtung saßen.

Dann also. Grüßen, dritter Gang rein und los. Lubi klappte die Ohren nach vorne und bekam den Tunnelblick. Nichts, was außen rum war, interessierte noch, nur die Sprünge. Das geplante Zulegen zwischen den Sprüngen vergaß ich souverän – aber dafür gabs einen fehlerfreien Ritt, der uns beiden riesigen Spaß gemacht hat. Meine Nervosität war mit dem ersten Galoppsprung verflogen, weil mir Lubi nur noch „Ich will da rüber“ signalisierte. Fantastisches Gefühl.

Das Ende vom Lied: Fünf Sekunden fehlten zwischen uns und der Platzierung !!!