Sommerurlaub 2017 – Teil II

Ich muss Ihnen einfach noch ein paar Bilder von der Passat zeigen, ich hoffe, ich langweile Sie damit nicht. Aber mir ging es wie Schnäuzelchen – dieser Großsegler hat mich so unglaublich beeindruckt… Schon als Kind war ich von Segelschiffen fasziniert, stand damals schon vor der Passat und sogar auch schon auf der Gorch Fock (II), als sie einmal in Kiel lag und Open Ship hatte. Toll, einfach nur toll. Hach.

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Blick in die Wanten, über die die Seeleute in den Mast aufentern. Wußten Sie zum Beispiel, dass die waagrechten Leisten normalerweise ebenfalls aus Webleinen, also ganz früher mal Hanf und später synthetische Materialien waren? Nur nicht bei den P-Linern. Damit die Seeleute gefahrloser aufentern konnten, wurden hier Holzleisten eingebaut!

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„Zwischen diese beiden Rahen passt doch im Leben kein Segel“, dachten wir uns sehr irritiert und fragten uns, ob irgendetwas am Rigg verändert wurde, als die Passat zum Museumsschiff wurde. Und wenn ja, warum. Aber nein, es ist ganz anders: Die obere der beiden Rahen im Bild wird mittels Flaschenzug – vom Deck aus! – nach oben befördert! Und wenn das Schiff in zu starken Wind gerät, kann man die Rah mitsamt gesetztem Segel – pardauz – nach unten sausen lassen, dann hängt das Segel zwar ungerefft und bauchig rum, bekommt aber keinen Winddruck mehr hinein und schon wird die ganze Sache etwas ungefährlicher. Pro Mast hat die Passat zwei solcher „Rutschrahen“. Eine großartige Sache, wenn man sich vorstellt, dass da ansonsten Männer rauf mussten, um die Segel zu reffen…

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Schnäuzelchen erwähnte es in seinem Artikel – 8 Meter Laderaumhöhe. Da sehe ich ganz schön winzig aus, da unten. Es war ein unglaublich beeindruckendes Gefühl, so tief im Bauch des Schiffes zu stehen!

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Hier hinten am Heck des Schiffes ist übrigens nur das Notruder. Ursprünglich war es unter Deck – aber als die Passat zum Segelschulschiff umgebaut wurde, benötigte man Platz unter Deck für die Unterbringung der Kadetten. Also wurde das Ruder kurzerhand aufs Deck verlegt.

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Hier das eigentliche Ruder der Passat in der Mitte des Schiffes, davor der Kompass und dahinter das Kartenhaus.

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Und endlich habe ich wieder eine richtig tolle Kappe für „gut“!

Die Welt der Windjammer

Jetzt stehe ich hier an Bord der Passat, einer Viermastbark. Obwohl sie nicht mehr segelt, erzählt jede Planke, jedes Tau und jede Rahe von all den Abenteuern, die dieses Schiff auf den Weltmeeren erlebt haben muss.

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Das Notruder auf dem Achterdeck.

Sie ist nicht einfach nur ein Segelschiff wie viele andere. Sie war einer der legendären Flying P-Liner der Reederei F. Laeisz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren diese Schiffe noch immer in der Lage, der sich immer weiter verbreitenden Dampfschiffahrt Paroli zu bieten. Die besten Besatzungen, die man sich vorstellen konnte, segelten diese robusten Schiffe. Sie waren so gut, dass es annähernd als Linienbetrieb galt.

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Die Passat in Travemünde.

Dieser Windjammer hat seine großen Reisen allerdings längst hinter sich. Die Passat hat ihre Aufgabe als Museumsschiff in Travemünde gefunden. Dort zeugt sie noch heute von dieser beeindruckenden Zeit.

Ihren Charme spielt sie dabei erst auf, wenn man sich einmal an Deck befindet. Erst dort wird einem klar, wie groß das Schiff dann doch ist. 115 Meter lang, 14 breit, gebaut 1911 in den Werften von Blohm und Voss. Das Gros des Schiffs ist dabei noch orignal restauriert, also kein Nachbau. Bis 1957 umrundete sie 57 Mal das Kap Hoorn.

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Ebenfalls ein Traditionsname: Blohm & Voss.

Lange höre ich dem ehrenamtlichen Kollegen zu, der mir viel über das Schiff und seine Geschichte erzählte. Einiges wusste ich bereits. Beispielsweise, dass die P-Liner schnell waren. Wirklich schnell. Schon die Passat lief bei gutem Wind circa 18 Knoten (ca. 33 km/h). Die Preussen, ein Fünfmast-Vollschiff und ebenfalls ein Flying P-Liner erreichte sogar 20 bis 21 Knoten (39 km/h). Auch, dass sie nach dem neusten Stand der Technik gebaut wurden. Robust genug, um auch die Stürme von Kap Hoorn abzureiten. Und das in Rekordzeit.

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Ein Modell des Flying P-Liners Preussen, ein Fünfmast-Vollschiff und noch bis ins 21. Jahrhundert(!) der größte Segler, der je gebaut wurde.

Richtig kribbelt es im Bauch aber erst, als ich unter Deck ankomme. In der vorderen Hälfte des Schiffes ist der Frachtraum erhalten geblieben. Erst dort begreife ich, was 8 Meter Schiffsrumpfhöhe wirklich bedeuten. Noch unvorstellbarerer wird mir in diesem Augenblick die Tatsache, dass dieses Schiff in Rekordzeit über die Weltmeere segeln konnte. Segeln. Ohne Hilfsantriebe. Nur mit Windkraft.

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Der Frachtraum der Passat.

Lange stehe ich vor den verschiedenen Reiseberichten, teilweise in Form eines kurzen Filmes, teilweise in Form von großen Wandtafeln mit alten Fotos. Auch heute, einen Tag später verschwinden die Bilder nicht aus meinen Gedanken. Ebenso wie viele kleine Details. Beispielsweise der 34 Tonnen schwere Anker (inklusive Kette). Oder die in liebevollen Details nachgestellten Szenen.

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Die Kombüse

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Der Funkraum

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Das Lichten des Ankers war Handarbeit…

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Das Getriebe, über das der Anker gehoben wurde – eines der vielen Originalbauteile!

Ein Teil von mir findet es unglaublich schade, dass diese Schiffe weitestgehend von den Meeren verschwunden sind. Nachvollziebar und völlig schlüssig, aber nichts desto trotz schade.

Nur noch vier Flying P-Liner sind erhalten, nur noch einer davon fährt tatsächlich zur See. Die Padua segelt noch heute als Segelschulschiff unter russischer Flagge. Sie war eine Reparationszahlung und führt heute den Namen Kruzenshtern.

Was mir bleibt ist die Faszination eines in der heutigen Welt beinahe unglaublichen Schiffes, einer Meisterleistung der deutschen Ingenieurskunst. Dieses Gefühl wird mich – und noch viel mehr den kleinen Jungen in mir – noch lange begleiten.

Vielen Dank an die Stadt Lübeck, die diesen Teil der deutschen Geschichte erhalten hat.

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