Windjammerquilt

Manchmal glaube ich, dass nicht ich einen Garten habe, sondern der Garten mich. Ich musste die letzte Woche mit dem herrlich trockenen Wetter einfach noch ausnutzen und im Garten wurschteln. Daher hatte ich keine Zeit einen weiteren Bericht über den Windjammerquilt einzustellen. Man möge mir verzeihen.

Dabei hat sich inzwischen ja wirklich viel getan. Das Top ist fertig genäht und auch schon nach der Sharon Schambers Methode geheftet. Ich habe es einmal mit Sicherheitsnadeln versucht – nie wieder! Lieber mache ich mir die Mühe so ein Teil von Hand im Fischgratmuster zu heften. Da kann beim Maschinen/Handquilten jedenfalls nichts verrutschen.

Nach langem Hin und Her haben wir uns entschlossen (mein Mann ist immer noch ganz engagiert dabei) keine weiteren Border dranzusetzen. Als Rückseitenstoff haben wir uns für „Westfalenstoffe: Serie Hamburg, kleine rote und blaue Anker auf weißem Untergrund “ entschieden. Dieser Stoff wird auch als Einfassung am Rand erscheinen. Hier also nun endlich das Teil:

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Eigentlich wollte ich dieselben Anker, die ich für die Piratendecke genommen hatte, nehmen, aber die hätte ich so stark verkleinern müssen, dass es nach nichts ausgesehen hätte und eine Mordsprimelarbeit gewesen wäre. Also habe ich mich entschlossen mit einem rot/weiß/blauem Verlaufsfaden Wellen hineinzusticheln. Und, was soll ich sagen, ich bin zufrieden damit.

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So, das wäre es für heute mal wieder von der Windjammerfront. Wie es weitergeht, davon demnächst mehr. Er muss ja erst Weihnachten fertig sein.

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Die Welt der Windjammer

Jetzt stehe ich hier an Bord der Passat, einer Viermastbark. Obwohl sie nicht mehr segelt, erzählt jede Planke, jedes Tau und jede Rahe von all den Abenteuern, die dieses Schiff auf den Weltmeeren erlebt haben muss.

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Das Notruder auf dem Achterdeck.

Sie ist nicht einfach nur ein Segelschiff wie viele andere. Sie war einer der legendären Flying P-Liner der Reederei F. Laeisz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren diese Schiffe noch immer in der Lage, der sich immer weiter verbreitenden Dampfschiffahrt Paroli zu bieten. Die besten Besatzungen, die man sich vorstellen konnte, segelten diese robusten Schiffe. Sie waren so gut, dass es annähernd als Linienbetrieb galt.

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Die Passat in Travemünde.

Dieser Windjammer hat seine großen Reisen allerdings längst hinter sich. Die Passat hat ihre Aufgabe als Museumsschiff in Travemünde gefunden. Dort zeugt sie noch heute von dieser beeindruckenden Zeit.

Ihren Charme spielt sie dabei erst auf, wenn man sich einmal an Deck befindet. Erst dort wird einem klar, wie groß das Schiff dann doch ist. 115 Meter lang, 14 breit, gebaut 1911 in den Werften von Blohm und Voss. Das Gros des Schiffs ist dabei noch orignal restauriert, also kein Nachbau. Bis 1957 umrundete sie 57 Mal das Kap Hoorn.

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Ebenfalls ein Traditionsname: Blohm & Voss.

Lange höre ich dem ehrenamtlichen Kollegen zu, der mir viel über das Schiff und seine Geschichte erzählte. Einiges wusste ich bereits. Beispielsweise, dass die P-Liner schnell waren. Wirklich schnell. Schon die Passat lief bei gutem Wind circa 18 Knoten (ca. 33 km/h). Die Preussen, ein Fünfmast-Vollschiff und ebenfalls ein Flying P-Liner erreichte sogar 20 bis 21 Knoten (39 km/h). Auch, dass sie nach dem neusten Stand der Technik gebaut wurden. Robust genug, um auch die Stürme von Kap Hoorn abzureiten. Und das in Rekordzeit.

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Ein Modell des Flying P-Liners Preussen, ein Fünfmast-Vollschiff und noch bis ins 21. Jahrhundert(!) der größte Segler, der je gebaut wurde.

Richtig kribbelt es im Bauch aber erst, als ich unter Deck ankomme. In der vorderen Hälfte des Schiffes ist der Frachtraum erhalten geblieben. Erst dort begreife ich, was 8 Meter Schiffsrumpfhöhe wirklich bedeuten. Noch unvorstellbarerer wird mir in diesem Augenblick die Tatsache, dass dieses Schiff in Rekordzeit über die Weltmeere segeln konnte. Segeln. Ohne Hilfsantriebe. Nur mit Windkraft.

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Der Frachtraum der Passat.

Lange stehe ich vor den verschiedenen Reiseberichten, teilweise in Form eines kurzen Filmes, teilweise in Form von großen Wandtafeln mit alten Fotos. Auch heute, einen Tag später verschwinden die Bilder nicht aus meinen Gedanken. Ebenso wie viele kleine Details. Beispielsweise der 34 Tonnen schwere Anker (inklusive Kette). Oder die in liebevollen Details nachgestellten Szenen.

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Die Kombüse

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Der Funkraum

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Das Lichten des Ankers war Handarbeit…

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Das Getriebe, über das der Anker gehoben wurde – eines der vielen Originalbauteile!

Ein Teil von mir findet es unglaublich schade, dass diese Schiffe weitestgehend von den Meeren verschwunden sind. Nachvollziebar und völlig schlüssig, aber nichts desto trotz schade.

Nur noch vier Flying P-Liner sind erhalten, nur noch einer davon fährt tatsächlich zur See. Die Padua segelt noch heute als Segelschulschiff unter russischer Flagge. Sie war eine Reparationszahlung und führt heute den Namen Kruzenshtern.

Was mir bleibt ist die Faszination eines in der heutigen Welt beinahe unglaublichen Schiffes, einer Meisterleistung der deutschen Ingenieurskunst. Dieses Gefühl wird mich – und noch viel mehr den kleinen Jungen in mir – noch lange begleiten.

Vielen Dank an die Stadt Lübeck, die diesen Teil der deutschen Geschichte erhalten hat.

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